Liebe Leser*innen
In dieser Ausgabe befasst sich Christian Roten mit dem «juge de l’application des peines et mesures (JAP)», den die Kantone Genf, Tessin, Waadt und Wallis nach der Revision des Strafgesetzbuchs 2007 für die Umsetzung von Strafurteilen eingesetzt haben. Der Autor erläutert in seinem Beitrag die Kompetenzen und die Verfahren dieser Spezialgerichte.
Alice Greub widmet sich daraufhin dem «Greenwashing» – also der Geschäftspraxis, bei der ein Wirtschaftsakteur sich umweltfreundlicher darstellt, als er in Tat und Wahrheit ist, und dafür falsche oder irreführende Behauptungen aufstellt. Die Autorin geht der Frage nach, welche Rechte Verbraucher dagegen haben, und analysiert dafür das ausservertragliche Haftungsrecht sowie das Wettbewerbsrecht.
Schliesslich untersuchen Philip Glass und Michael Widmer die Kompetenzordnung im Datenschutzrecht und zeigen auf, welche Wirkung die Kompetenzverteilung der Bundesverfassung auf Private hat. Sie erläutern die Problematiken der «akzessorischen Kompetenzverteilung» zwischen Bund und Kantonen und schlagen vor, die verfassungsrechtliche Grundlage zu präzisieren.
Wir wünschen eine anregende und interessante Lektüre!
Martina Plüss
Editions Weblaw
Abstract
Mit dem Inkrafttreten des neuen Allgemeinen Teils des Strafgesetzbuches im Jahr 2007 haben vier Kantone (Tessin, Waadt, Wallis und Genf) entschieden, für die Umsetzung von Strafurteilen eine spezialisierte richterliche Instanz – den «juge de l’application des peines et mesures (JAP)» – einzusetzen. Da diese Umsetzung von Strafurteilen weitgehend in die Zuständigkeit der Kantone fällt, bezweckt der vorliegende Beitrag, nach einer kurzen Erläuterung zur Entstehung und zu den Aufgaben des JAP darzulegen, wie diese Kantone diese Instanz ausgestaltet haben – sowohl in Bezug auf ihre Zuständigkeiten als auch auf das von ihr angewandte Verfahren. (xf)
Abstract
In einer Gesellschaft, in der Umweltanliegen zunehmend an Bedeutung gewinnen, stellt sich für Konsumentinnen und Konsumenten die Frage, welche Rechte ihnen im Kampf gegen das Greenwashing zur Verfügung stehen. Zur Klärung dieser Thematik beleuchtet die Autorin die relevanten Aspekte aus der Perspektive der ausservertraglichen Haftung und des Wettbewerbsrechts. Zudem werden auch aussergerichtliche Handlungsmöglichkeiten sowie europarechtliche Überlegungen im Zusammenhang mit dieser Praxis erörtert. (xf)
Abstract
Das Bundesdatenschutzrecht regelt zugleich die private Datenbearbeitung sowie jene der Bundesorgane – nicht aber der kantonalen Organe. Da Private sowohl durch das private sowie auch das öffentliche Datenschutzrecht von Bund oder Kantonen erfasst werden können, führt diese Kompetenzteilung regelmässig zu Unklarheiten bezüglich des anwendbaren Rechts sowie der Zuständigkeit für die Datenaufsicht. Erschwerend kommt hinzu, dass der Bund über keine ausdrücklichen Kompetenzen für datenschutzrechtliche Regelungen verfügt. Der vorliegende Beitrag beschreibt die Kompetenzordnung des Datenschutzrechts und schlägt eine Präzisierung der verfassungsrechtlichen Grundlagen für die Bundeskompetenz vor.
Abstract
BGer – Erziehungsgutschriften dürfen bei der Festlegung der Höhe der AHV-Rente auch dann nur zur Hälfte angerechnet werden, wenn der Ehepartner noch nicht im Pensionsalter ist. Da Erziehungsgutschriften keine Reduktion der Erwerbstätigkeit voraussetzen und sich damit nicht zwingend auf die Gestaltung des Familienlebens auswirken, fällt eine Diskriminierung aufgrund des Geschlechts im Sinne der EMRK nicht in Betracht. (Urteil 9C_431/2024)
Abstract
Die Eidgenössische Steuerverwaltung hat die Listen der Gesetzes- und Verordnungsänderungen bei der direkten Bundessteuer, Mehrwertsteuer, Verrechnungssteuer und Stempelabgaben aktualisiert. Die Liste enthält Änderungen von Erlassen im Steuer- und Abgabenrecht, bei denen die Eidgenössische Steuerverwaltung massgeblich beteiligt oder für deren Umsetzung sie verantwortlich ist. In der Liste aufgeführt sind auch Gesetzes- und Verordnungsprojekte, die noch nicht abgeschlossen sind.
Abstract
Das Zusatzabkommen zum Doppelbesteuerungsabkommen zwischen der Schweiz und Frankreich ist am 24. Juli 2025 in Kraft getreten. Dessen Bestimmungen, die die Besteuerung von Einkommen aus Homeoffice dauerhaft regeln, gelten ab dem 1. Januar 2026.
Abstract
Der EDÖB untersuchte, ob die PostFinance AG im Zusammenhang mit der Authentifizierung mittels Stimmerkennung gegen Datenschutzvorschriften verstösst. Er hat die Untersuchung am 16. Mai 2025 mit einer Verfügung abgeschlossen und die PostFinance AG angewiesen, bei der Erstellung von Stimmabdrücken zur Authentifizierung durch Stimmerkennung eine ausdrückliche Einwilligung von den betroffenen Personen einzuholen und diejenigen Stimmabdrücke zu löschen, bei welchen keine ausdrückliche Einwilligung der betroffenen Person vorliegt.
Abstract
Die Rechtsprechungsübersicht führt die zur Publikation in der Amtlichen Sammlung vorgesehenen Urteile des Schweizerischen Bundesgerichts vom 17. Mai bis und mit 16. Juli 2025 sowie die Urteile des EGMR mit Beteiligung der Schweiz auf. Neben Dossiernummer, Urteilsdatum, Abteilung/Kammer, Prozessgegenstand und Vorinstanz wird ein Hyperlink zum Originalentscheid und – sofern vorhanden – zur jeweiligen Mitteilung bzw. Besprechung in Jusletter und im dRSK wiedergegeben.
Jusletter