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Liebe Leserinnen und Leser

Wann haftet eine Depotbank bei externer Vermögensverwaltung? Beat Mathys befasst sich mit dem Urteil des Bundesgerichts vom 25. April 2016 und begrüsst dessen Argumentation, dass eine Depotbank ihren Kunden nur in Ausnahmefällen über die Geschäftstätigkeit und Reputation des externen Vermögensverwalters informieren oder gar vor ihm warnen muss – «Die Bank ist nicht der Vormund des Kunden.». Die in den Westschweizer Medien oft und breit thematisierten Vorwürfe gegen einen (inzwischen zu einer Gefängnisstrafe verurteilten) Genfer Financier und dessen Geschäfte scheinen aber nach der Auffassung des Bundesgerichts ein solcher Ausnahmefall gewesen zu sein, über den eine Depotbank den ausländischen Kunden hätte informieren müssen; jedenfalls muss sich die Vorinstanz nochmals mit der Klage befassen.
 
Die Europäische Kommission eröffnete im April 2016 ein wettbewerbsrechtliches Verfahren gegen Google betreffend Android-Betriebssystemen und damit verbundener Anwendungen. Der Vorwurf lautet, Google nutze seine marktbeherrschende Stellung unter Verstoss gegen die EU-Kartellvorschriften missbräuchlich aus, indem es Herstellern von Android-Geräten und Mobilfunknetzbetreibern Beschränkungen auferlege. Samuel Schweizer ordnet die Vorwürfe der Kommission rechtlich ein und unterzieht diese einer ersten Würdigung. Gemäss seiner vorläufigen Einschätzung verhält sich Google wettbewerbswidrig.
 
Morad Goerg gibt einen Überblick zu den verschiedenen Arten von Verträgen in der Seeschifffahrt, insbesondere zur Regulierung des Kohlenwasserstoff-Transportes auf dem Seeweg. Er kommt zum Schluss, dass bei diesen Transporten solide vertragliche Grundlagen bezüglich des Versandes bestehen, diese sollten jedoch noch flexibler den Besonderheiten und Charakteristiken dieser Industrie angepasst werden können.
 
In Schottland ist die Anwaltschaft – wie auch in England – unterteilt in Solicitors und Advocates. Solicitors erbringen generelle juristische Dienstleistungen, beraten und betreuen Klienten direkt und vertreten Parteien vor unteren Gerichten. Advocates auf der anderen Seite sind auf die Prozessführung spezialisierte Anwälte, welche vor sämtlichen Gerichten auftreten dürfen. Raphael Meier sammelte im Rahmen des European Lawyers’ Programme während drei Monaten praktische Erfahrungen in der täglichen Arbeit von schottischen Richtern und Anwälten. Er zeigt auf, dass sich die Verfahrensführung der Schweiz unter anderem wesentlich bei der Rolle der Parteien im Prozess, der mündlichen Verfahrensführung und dem Zeugenbeweis von Schottland unterscheidet.
 
Zur Bekämpfung der Terrorismusfinanzierung spricht Michael Kunz. Nach Jahren relativer Ruhe verstärkten sich in den letzten Monaten die Bemühungen der internationalen Akteure, insbesondere in der EU, als Folge der Anschläge von Paris. Auch in der Schweiz sind seit Jahresbeginn einzelne Neuerungen in Kraft getreten. Es handelt sich bei diesem Vortrag um einen ausserordentlich in Jusletter publizierten Podcast der Reihe Podcasts@Weblaw Finanzmarktrecht. Weitere spannende Podcasts zum Thema finden Sie unter: podcasts.weblaw.ch/finanzmarktrecht.
 
Wir wünschen Ihnen eine spannende Lektüre und einen guten Start in die neue Woche.
 
Leiterin Jusletter
Simone Kaiser
Verlagsleiterin Editions Weblaw

 

 
Urteilsbesprechungen
Beat Mathys
Abstract

Vor Kurzem hat das Bundesgericht ein weiteres Urteil zur Frage der Haftung der Depotbank bei externer Vermögensverwaltung veröffentlicht: Es hiess wegen der aussergewöhnlichen tatsächlichen Umstände die Beschwerde einer Offshore-Gesellschaft (Bankkundin) gut, deren wirtschaftlich Berechtigter von der Depotbank nicht über den zweifelhaften Ruf des externen Vermögensverwalters informiert worden war.

Beiträge
Samuel Schweizer
Samuel Schweizer
Abstract

Die Europäische Kommission hat im April 2016 ein wettbewerbsrechtliches Verfahren gegen Google mit Bezug auf das Mobil-Betriebssystem Android eingeleitet. Untersuchungsgegenstand sind verschiedene Praktiken von Google, mit denen Google-Mobil-Gerätehersteller dazu bewegt werden sollen, gewisse Google-Dienste auf den Geräten vorzuinstallieren und konkurrierende Dienste somit auszuschliessen. Der Beitrag nimmt eine erste Einordnung dieser Vorwürfe vor.

Morad Goerg
Abstract

Der Autor zeigt die unterschiedlichen Arten von üblichen Verträgen in der Seeschifffahrt auf, alles unter besonderer Beachtung der Regulierung des Kohlenwasserstoff-Transportes. Im letztgenannten Kontext untersucht der Beitrag die spezifischen Begriffe der Befrachtung hinsichtlich einer Industrie, in welcher die Wichtigkeit, die Besonderheiten und die höchst strategischen Charakteristiken nach einer detaillierten Analyse rufen. (sts)

Essay
Raphael Meier
Raphael Meier
Abstract

Das European Lawyers’ Programme bietet jährlich bis zu zehn jüngeren Anwälten aus ganz Europa die Möglichkeit, während drei Monaten in Schottland ein unentgeltliches Anwalts- und Gerichtspraktikum zu absolvieren. Der Einblick in die tägliche Arbeit von schottischen Richtern und Anwälten zeigt u.a. auf, wie sich die Verfahrensführung in einem stark vom Common Law geprägten Rechtssystem von derjenigen in der Schweiz unterscheidet. Der Autor beschreibt zuerst das European Lawyers’ Programme und dessen Nutzen für junge Anwälte, bevor er exemplarisch drei wesentliche Unterschiede zwischen der Verfahrensführung in den beiden Ländern aufzeigt.

Podcasts
Michael Kunz
Michael Kunz
Abstract

Die Bekämpfung der Terrorismusfinanzierung ist ein relativ neues Phänomen. Sie begann ihren Lauf zwei Jahre vor 9/11, richtete sich allerdings schon damals u.a. auch gegen Usama bin Laden. Spätestens seit 9/11 hat sich die Bekämpfung der Terrorismusfinanzierung unter der Führung des UN-Sicherheitsrats zu einem Dauerthema entwickelt und flankiert seither die Bekämpfung der Geldwäscherei. Nach Jahren relativer Ruhe verstärkten sich in den letzten Monaten die Bemühungen der internationalen Akteure, insbesondere in der EU, als Folge der Anschläge von Paris. Auch in der Schweiz sind seit Jahresbeginn einzelne Neuerungen in Kraft getreten.

Aus dem Bundesgericht
Jurius
Abstract

BGer – Das Bundesgericht hat die Verurteilung eines Mannes wegen Ehrverletzung aufgehoben, der die Arbeit einer Grundbuchmitarbeiterin mit eindeutigen Worten kritisiert hatte. Das Bezirksgericht Kreuzlingen (TG) verurteilte den Mann zu einer bedingten Geldstrafe und einer Busse. (Urteil 6B_257/2016)

Jurius
Abstract

BGer – Ein Freiburger Wirt ist definitiv vom Vorwurf der Vergewaltigung freigesprochen worden, den eine Kellnerin gegen ihn erhob. (Urteil 6B_1108/2015 und 6B_1111/2015)

Jurius
Abstract

BGer – Nach einem tödlichen Arbeitsunfall im Bezirk Zurzach (AG) muss der Inhaber einer Ostschweizer Baufirma ins Gefängnis. Das Bundesgericht bestätigte die teilbedingte Freiheitsstrafe von drei Jahren. (Urteile 6B_1069/2015 und 6B_1070/2015)

Jurius
Abstract

BGer – Das Bundesgericht hat den ehemaligen Vermögensverwalter der Zenith Vie vor letzter Instanz abgewiesen. Dieser hatte die Vorwürfe der FINMA bestritten, die diese kurz vor der Eröffnung des Konkurses des Westschweizer Unternehmens im Dezember 2014 gegen ihn erhoben hatte. (Urteil 2C_872/2015) (sts)

Jurius
Abstract

BGer – Das Mietgericht Zürich muss über eine allfällige Verlängerung des Mietverhältnisses zwischen Manor und der Eigentümerin der Liegenschaft befinden. Das Bundesgericht ist auf eine Beschwerde der Warenhausmieterin Manor nicht eingetreten, die eine Sistierung beantragt hatte. (Urteil 4A_5/2016)

Aus dem Bundesverwaltungsgericht
Jurius
Abstract

BVGer – Ob es sich bei der Swissport am Flughafen Zürich um einen unregelmässigen Schichtbetrieb handelt oder nicht, muss das Amt für Wirtschaft und Arbeit Zürich (AWA) und nicht der Bund feststellen. Dies hat das Bundesverwaltungsgericht entschieden und eine Beschwerde des Schweizerischen Verbands des Personals öffentlicher Dienste (VPOD) abgewiesen. (Urteil B-1605/2015)

Jurius
Abstract

BVGer – Der Bund hat der Heilsarmee 2014 zu Recht keine Finanzhilfe für die ausserschulische Kinder- und Jugendarbeit zugesprochen. Dies hat das Bundesverwaltungsgericht entschieden. (Urteil B-5474/2014)

Aus dem Bundesstrafgericht
Jurius
Abstract

BStGer – Insgesamt CHF 111’000 sollte der Anwalt des Erstfelder Milieu-Wirtes für die Verteidigung seines Mandanten aus der Staatskasse erhalten. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft des Kantons Uri gegen diesen Beschluss des Obergerichts Beschwerde eingelegt. (Urteil BB.2016.287)