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Liebe Leser*innen

Der Mutterschaftsurlaub kann unerwünschte Nebenwirkungen haben: Ein verdienter Bonus kann geschmälert, der erwartete Lohnanstieg gebremst oder eine Beförderung verschoben werden. Der Beitrag Schwanger- und mutterschaftsbedingte Unterschiede bei Bonus und anderen Lohn-(neben)leistungen, Lohnersatzleistungen und Beförderungen von Kurt Pärli zeigt, wie das Schweizer Arbeitsrecht Schwangerschaft und Mutterschaft Rechnung trägt und wo Schutzlücken bleiben.

Die am 26. September 2025 eingereichte Interpellation mit dem Titel „Selbstständige, die zur Zahlung von Unterhalt verpflichtet sind. Kein verbindlicher Mechanismus?“ geht von folgender Feststellung aus: Wenn ein Ehepartner einer selbständigen Erwerbstätigkeit nachgeht, unterliegt er rechtlich gesehen keiner automatischen Lohnpfändung zur Zahlung des Unterhaltsbeitrags. Die Anfrage kommt zu dem Schluss, dass es insbesondere angebracht wäre, § 132 BGB zu ändern, um selbstständige Schuldner ebenso wirksamen und verbindlichen Direktzahlungsmechanismen zu unterwerfen wie Arbeitnehmer. Dies ordnet Arnaud Parreaux in seinem Beitrag L’avis aux débiteurs face au débirentier indépendant ein.

Seit dem 1. Januar 2022 können sich Schweizer Unternehmen gegen den Missbrauch einer relativen Marktmacht zur Wehr setzen, etwa gegen sogenannte «Schweiz-Zuschläge» ausländischer Lieferanten. Der Beitrag Relative Marktmacht i.S.v. Art. 4 Abs. 2bis Kartellgesetz von Tim Bächinger erläutert Entstehung, Voraussetzungen und Rechtsvergleichung dieser noch jungen Rechtsfigur, ordnet die bisherige WEKO-Praxis ein und untersucht, ob und inwiefern Art. 4 Abs. 2bis KG mit dem in Art. 1 KG normierten Schutzzweck des Kartellgesetzes im Einklang steht.

Kann KI eine gerechte Strafe zumessen? Und wenn ja, wie? Was sind die Anforderungen an die gerechte Strafzumessung und welche Rolle spielt dabei die individuelle (Tat-)Schuld? Diesen Fragen widmet sich der vorliegende Perspektiv-Beitrag von Alexander Vetterli. In Strafzumessung zwischen menschlicher Schuld und künstlicher Intelligenz wird analysiert, welche Schwierigkeiten sich in der Strafzumessung, insb. bei der Beurteilung der Tatschuld stellen, wie diesen begegnet werden sollte sowie welche Rolle KI dabei spielen kann, darf oder (noch) nicht sollte.

Daniel Pfäffli durfte seine Dissertation zu Erbzeugnissen im Verhältnis Schweiz-Deutschland in der Reihe der Abhandlungen zum schweizerischen Recht (ASR) veröffentlichen. Hans Rainer Künzle rezensiert dieses Buch für Jusletter.

Wir wünschen eine vergnügliche und erkenntnisreiche Lektüre!

Redaktion Jusletter@weblaw


PS: Dieser Jusletter trägt die (interne) Ausgabennummer 1'300 - ein kleines Jubiläum. Seit 25 Jahren fast jede Woche neue Jus-Beiträge in bester Qualität!
1'300 Ausgaben und ebenso viele Gründe, Danke zu sagen. Danke an unsere Autor*innen, an unsere Redaktor*innen und nicht zuletzt an unsere Leser*innen!

Wissenschaftliche Beiträge
Kurt Pärli
Kurt Pärli
Abstract

Mutterschaftsurlaub mit Nebenwirkungen: Darf die Abwesenheit wegen Schwangerschaft oder Mutterschaft den Bonus schmälern, den Lohnanstieg bremsen oder die Beförderung kosten? Der Beitrag zeigt, wie das Schweizer Arbeitsrecht Schwangerschaft und Mutterschaft Rechnung trägt und wo Schutzlücken bleiben. Er ordnet die bundesgerichtliche Praxis kritisch ein, bezieht die Rechtsprechung von EuGH und EGMR ein und entwickelt Lösungsansätze, damit der gesetzliche Mutterschaftsschutz nicht zur beruflichen und finanziellen Benachteiligung wird.

Arnaud Parreaux
Arnaud Parreaux
Abstract

Dieser Beitrag stellt die auf dem SchKG und dem ZGB fussenden zwingenden Rechtsmechanismen dar, die es ermöglichen, die Bezahlung fälliger wie künftiger Unterhaltsbeiträge eines Unterhaltspflichtigen zu gewährleisten, der eine selbstständige Erwerbstätigkeit ausübt. (xf)

Tim Bächinger
Abstract

Seit dem 1. Januar 2022 können sich Schweizer Unternehmen gegen den Missbrauch einer relativen Marktmacht zur Wehr setzen, etwa gegen sogenannte «Schweiz-Zuschläge» ausländischer Lieferanten. Der Beitrag erläutert Entstehung, Voraussetzungen und Rechtsvergleichung dieser noch jungen Rechtsfigur, ordnet die bisherige WEKO-Praxis ein und untersucht, ob und inwiefern Art. 4 Abs. 2bis KG mit dem in Art. 1 KG normierten Schutzzweck des Kartellgesetzes im Einklang steht.

Perspektiven
Alexander Vetterli
Abstract

Kann KI eine gerechte Strafe zumessen? Und wenn ja, wie? Was sind die Anforderungen an die gerechte Strafzumessung und welche Rolle spielt dabei die individuelle (Tat-)Schuld? Diesen Fragen widmet sich der vorliegende Beitrag. Analysiert wird dabei, welche Schwierigkeiten sich in der Strafzumessung, insb. bei der Beurteilung der Tatschuld ergeben, wie diesen begegnet werden sollte sowie welche Rolle KI dabei spielen kann, darf oder (noch) nicht sollte.

Rezension
Abstract

Unlängst ist eine Berner Dissertation von Daniel Pfäffli zu Erbzeugnissen im Verhältnis Schweiz-Deutschland in der Reihe der Abhandlungen zum schweizerischen Recht (ASR) im Stämpfli Verlag (Bern) erschienen. Dieses Buch bildet die Grundlage für die vorliegende Buchbesprechung.

Medienmitteilungen
Jurius
Abstract

Am 29. November 2026 stimmen die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger über die AHV-Zusatzfinanzierung durch eine Erhöhung der Mehrwertsteuer ab. Damit soll ein Teil der 13. AHV-Rente finanziert werden, die im Dezember 2026 erstmals ausbezahlt wird. Ohne zusätzliche Einnahmen gerät die AHV finanziell zunehmend in Schieflage, weil das Defizit rasch ansteigt. Bundesrat und Parlament empfehlen deshalb, die Erhöhung der Mehrwertsteuer um 0,4 Prozentpunkte anzunehmen.

Jurius
Abstract

Das Programm für souveräne Arbeitsplatzsoftware und das Projekt EasyGov 2.0 werden neu als Schlüsselprojekte der Bundesverwaltung geführt. Einen entsprechenden Beschluss fasste der Bundeskanzler am 1. Oktober 2026 nach Konsultation der Generalsekretärenkonferenz.

Jurius
Abstract

Die Diskussionen rund um die künstliche Intelligenz und die damit verbundenen Risiken und Chancen für die Menschenrechte, namentlich für eine bessere Einhaltung dieser Rechte, standen im Mittelpunkt der 63. Sitzung des Menschenrechtsrats, die in Genf zu Ende ging. Die Schweiz führte eine Gruppe von Ländern an, die die Verabschiedung von zwei Resolutionen zur Transitionsjustiz ermöglichte – einem Bereich, in dem die künstliche Intelligenz einen wichtigen Beitrag leisten kann.

Jurius
Abstract

Die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht FINMA hat ihre Praxis im Rundschreiben 2016/7 «Video- und Online-Identifizierung» teilrevidiert. Sie trägt damit den neusten technologischen Entwicklungen Rechnung, insbesondere im Hinblick auf das in Kraft tretende Bundesgesetz über den elektronischen Identitätsnachweis und andere elektronische Nachweise (BGEID).

Rechtsprechungsübersicht
Jurius
Abstract

Die Rechtsprechungsübersicht führt die zur Publikation in der Amtlichen Sammlung vorgesehenen Urteile des Schweizerischen Bundesgerichts vom 17. August bis und mit 16. September 2026 sowie die Urteile des EGMR mit Beteiligung der Schweiz auf. Neben Dossiernummer, Urteilsdatum, Abteilung/Kammer, Prozessgegenstand und Vorinstanz wird ein Hyperlink zum Originalentscheid und – sofern vorhanden – zur jeweiligen Mitteilung bzw. Besprechung in Jusletter und im dRSK wiedergegeben.