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Sehr geehrte Leser*innen

Wir starten in ein neues Jusletter-Jahr 2026 mit dem herzlichen Dank an alle Autor*innen und Redakteur*innen, die ein erfolgreiches Erscheinen von Jusletter im vergangenen Jahr ermöglicht haben. Am Ende des Editorials finden Sie die Top 20 Jusletter Beiträge 2025.

Immer mehr Arbeitgeber in der Schweiz verwenden KI am Arbeitsplatz. Obwohl die bestehenden Normen des Arbeitsrechts auf den Einsatz dieser Systeme Anwendung finden, ist die Rechtslage unübersichtlich. Damit wachsen Risiken für die Arbeitgeber und die Arbeitnehmenden. Der Beitrag Arbeitgeberpflichten beim Einsatz von algorithmischen Systemen und KI am Arbeitsplatz von Florian Rudin und Luca Cirigliano zeigt auf, welche Pflichten die Arbeitgeber beim Einsatz von algorithmischen Systemen und KI in den Bereichen des Gesundheits-, Daten- und Persönlichkeitsschutzes sowie der Mitwirkung haben. Auch die Rechte der Arbeitnehmenden werden thematisiert und der Beitrag gipfelt in Empfehlungen für die Praxis und den Gesetzgeber.

Die kürzliche Revision des Asylgesetzes verpflichtet Asylsuchende nun, ihre Mobiltelefone und elektronischen Geräte dem Staatssekretariat für Migration (SEM) auszuhändigen, wenn Identität, Nationalität oder Reiseweg nicht anders festgestellt werden können. Als ultima ratio präsentiert, löst diese digitale Durchsuchung heftige Kritik aus. Die Kriterien zur Auslösung sind unklar, die erfassten Daten sind sensibel und die Verfahrensgarantien gelten als unzureichend, resümiert  Merita Mustafa in ihrem Beitrag Fouille des appareils électroniques durant la procédure d’asile. Ohne klare Richtlinien oder unabhängige Kontrolle besteht das Risiko einer unverhältnismässigen Verletzung der Privatsphäre und der Grundrechte.

Synthetische Kraftstoffe sind auf dem Vormarsch. Ihre Produktion ist aufwändig, aber umweltrechtlich sinnvoll. Solche Power-to-X-Projekte in Kehrichtverwertungsanlagen können Abwärme und CO₂ als Nebenprodukte nutzen, ohne dass damit eine öffentliche Aufgabe übertragen wird. Die rechtlichen Rahmenbedingungen sind aber vielschichtig und komplex. Der Aufsatz Klimafreundliche Kraftstoffe aus KV-Anlagen von Renata Trajkova zeigt auf, wie solche Kooperationen rechtlich einzuordnen sind und welche Chancen und Herausforderungen sie bieten.

Die Dissertation Kompetenzen im Schnittstellenbereich zwischen Gefahrenabwehr und Strafverfolgung von Ronny Fischer untersucht die komplexe und zunehmend bedeutsame Schnittstelle zwischen der Gefahrenabwehr – als kantonale Aufgabe – und der bundesrechtlich geregelten Strafverfolgung. Am Beispiel der Automatisierten Fahrzeugfahndung und Verkehrsüberwachung (AFV) analysiert der Autor die verfassungsrechtlichen Zuständigkeiten und die rechtlichen Anforderungen an dieses Instrument moderner Polizeiarbeit. Er stellt diese Massnahme in den Gesamtkontext einer Polizei, die angesichts der Digitalisierung der Kriminalitätsphänomene sowie hybrider Bedrohungslagen ihr Augenmerk zunehmend auf die sog. intelligence setzen muss. René B. Bühler rezensiert die überzeugende Dissertationsschrift.
 

Liste der Top 20 Beiträge 2025

  1. Ewa Surdyka, Der sachliche Kündigungsgrund im öffentlichen Personalrecht, in Jusletter vom 13. Januar 2025
  2. Thomas Geiser, Kündigungsschutz im Arbeitsrecht, in Jusletter vom 10. Februar 2025
  3. Matthias Jenal, Stealthing durch abredewidriges Absetzen der Pille?, in Jusletter vom 3. Februar 2025
  4. Jean Christophe Schwaab, La pause en droit suisse du travail, in Jusletter vom 24. März 2025
  5. Regina Aebi-Müller, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Familienrecht im Jahr 2024, in Jusletter vom 10. März 2025
  6. Luca Cirigliano und Florian Rudin, Mobbing am Arbeitsplatz, in Jusletter vom 10. Februar 2025
  7. David Rosenthal und Livio Veraldi, Das Training von KI-Sprachmodellen mit fremden Inhalten und Daten aus rechtlicher Sicht, in Jusletter vom 3. Februar 2025
  8. Ellen Guggisberg, Due Diligence bei neuen VR-Mandaten, in Jusletter vom 3. März 2025
  9. Michelle Weyermann, Wohnbauerweiterungen in der Landwirtschaftszone, in Jusletter vom 20. Januar 2025
  10. Astrid Epiney, «Bilaterale III» und das Verhältnis zwischen Völker- und Landesrecht, in Jusletter vom 10. März 2025
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Wir bedanken uns bei unseren verehrten Leserinnen und Lesern für Ihre Treue und das Interesse und wünschen noch einen gelungenen Start ins neue Jahr 2026. 

In unserer Chronologie finden Sie alle Ausgaben aus dem Jahr 2025 (und zurück bis ins Jahr 2000). Die Schwerpunkt-Ausgaben können Sie hier einsehen. Recherchieren und vertieft suchen können Sie mit Lawsearch, unserer frei verfügbaren Suche. 

Wissenschaftliche Beiträge
Florian Rudin
Florian Rudin
Luca Cirigliano
Luca Cirigliano
Abstract

Immer mehr Arbeitgeber in der Schweiz verwenden algorithmische Systeme und KI. Obwohl die bestehenden Normen des Arbeitsrechts auf den Einsatz dieser Systeme Anwendung finden, ist die Rechtslage unübersichtlich. Damit wachsen Risiken für die Arbeitgeber und die Arbeitnehmenden. Der Beitrag zeigt auf, welche Pflichten die Arbeitgeber beim Einsatz von algorithmischen Systemen und KI, in den Bereichen des Gesundheits-, Daten- und Persönlichkeitsschutzes sowie der Mitwirkung haben und über welche Rechte die Arbeitnehmenden verfügen. Die Autoren machen schliesslich Empfehlungen für die Praxis und den Gesetzgeber.

Merita Mustafa
Merita Mustafa
Abstract

Die jüngste Änderung des Asylgesetzes verpflichtet asylsuchende Personen dazu, ihre Mobiltelefone und weitere elektronische Geräte dem Staatssekretariat für Migration (SEM) auszuhändigen, wenn ihre Identität, Nationalität oder ihr Reiseweg nicht auf andere Weise festgestellt werden können. Als ultima ratio konzipiert, stösst diese sog. Datenträgerauswertung auf erhebliche Kritik: Die Voraussetzungen für ihre Anordnung sind unklar, die erhobenen Daten besonders schützenswert, und die verfahrensrechtlichen Garantien werden als unzureichend erachtet. Ohne klare Vorgaben oder eine unabhängige Kontrolle besteht die Gefahr, dass der Eingriff in die Privatsphäre und die Grundrechte unverhältnismässig ausfällt. (xf)

Renata Trajkova
Renata Trajkova
Abstract

Synthetische Kraftstoffe sind auf dem Vormarsch. Ihre Produktion ist aufwändig, aber umweltrechtlich sinnvoll. Solche Power-to-X-Projekte in Kehrichtverwertungsanlagen können Abwärme und CO₂ als Nebenprodukte nutzen, ohne dass damit eine öffentliche Aufgabe übertragen wird. Die rechtlichen Rahmenbedingungen sind aber vielschichtig und komplex. Dieser wissenschaftliche Beitrag zeigt auf, wie solche Kooperationen rechtlich einzuordnen sind und welche Chancen und Herausforderungen sie bieten.

Rezension
René B. Bühler
René B. Bühler
Abstract

Die Dissertation von Ronny Fischer untersucht die komplexe und zunehmend bedeutsame Schnittstelle zwischen der Gefahrenabwehr – als kantonale Aufgabe – und der bundesrechtlich geregelten Strafverfolgung. Am Beispiel der Automatisierten Fahrzeugfahndung und Verkehrsüberwachung (AFV) analysiert der Autor die verfassungsrechtlichen Zuständigkeiten und die rechtlichen Anforderungen an dieses Instrument moderner Polizeiarbeit. Er stellt diese Massnahme in den Gesamtkontext einer Polizei, die angesichts der Digitalisierung der Kriminalitätsphänomene sowie hybrider Bedrohungslagen ihr Augenmerk zunehmend auf die sog. intelligence setzen muss.

Aus dem Bundesgericht
Jurius
Abstract

BGer – Das Bundesgericht weist die Beschwerden in Bezug auf die Schuld- und Freisprüche durch die Berufungskammer des Bundesstrafgerichts im Zusammenhang mit der Vermarktung von Medienrechten der FIFA ab. Die Verurteilungen des früheren FIFA Generalsekretärs und einer weiteren Person wegen passiver bzw. aktiver Bestechung sind bundesrechtskonform. Das Gleiche gilt für den Schuldspruch gegenüber dem früheren Generalsekretär wegen Urkundenfälschung sowie den Freisprüchen gegenüber den drei Beschuldigten im Zusammenhang mit dem Vorwurf der schweren ungetreuen Geschäftsbesorgung. Neu entscheiden muss die Vorinstanz in Bezug auf die finanziellen Folgen der Verurteilungen. (Urteil 6B_973/2023, 6B_974/2023, 6B_980/2023)

Jurius
Abstract

BGer – Ein obhutsberechtigter Elternteil macht sich nicht wegen Entführung strafbar, wenn er mit seinem Kind, das unter gemeinsamer elterlicher Sorge steht, eigenmächtig ins Ausland zieht. Eine Ausnahme gilt dann, wenn dadurch die Interessen des Kindes massiv beeinträchtigt werden. Das Bundesgericht hält an seiner früheren Rechtsprechung auch unter Geltung der revidierten Bestimmungen zur elterlichen Sorge fest. Es hebt den Schuldspruch wegen Entführung gegen eine Mutter auf. Für die rechtskräftige Verurteilung wegen Entziehens von Minderjährigen wird die Vorinstanz die Strafe neu festsetzen müssen. (Urteil 6B_1141/2023)

Jurius
Abstract

BGer – Pornografische Erzeugnisse mit digital zu «Scheinminderjährigen» verjüngten Erwachsenen stellen verbotene «nicht tatsächliche» Kinderpornografie dar. Das Bundesgericht weist die Beschwerde eines Mannes ab, der über seinen Instagram-Account ein mit Filtern bearbeitetes Video von einer bekannten Plattform verschickt hat. (Urteil 6B_122/2024)

Jurius
Abstract

BGer – Das Bundesgericht weist die Beschwerden der Stadt Freiburg und des Nachfolgeunternehmens von «Condensateurs Fribourg SA» im Zusammenhang mit der Verteilung der Kosten für die Sanierung der Abfalldeponie «La Pila» ab. Die Stadt als ehemalige Betreiberin der Anlage muss 45% der Kosten tragen, der Kanton Freiburg 30% und das Nachfolgeunternehmen der Firma «Condensateurs Fribourg SA», die früher mit PCB belastete Abfälle deponiert hatte, 25%. (Urteil 1C_465/2023, 1C_488/2023, 1C_219/2024)

Medienmitteilungen
Jurius
Abstract

Das Eidgenössische Institut für Geistiges Eigentum (IGE) gewinnt vor dem Handelsgericht Bern gegen die BDSwiss AG. Die BDSwiss AG wird verpflichtet, den Bestandteil «Swiss» aus dem Namen und das Schweizerkreuz aus ihrem Logo zu entfernen. Sie erfüllt die gesetzlichen Anforderungen für die Verwendung der schweizerischen Herkunftsangabe nicht.

Gesetzgebungsübersicht
Jurius
Abstract

Die vorliegende Zusammenstellung beinhaltet alle schweizerischen Bundesgesetze, Bundesbeschlüsse, Bundesrats- und Departementsverordnungen sowie einzelne Artikel, die im Januar 2026 in Kraft treten. Die einzelnen Erlasse und Änderungen können via Links direkt abgerufen werden.