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Liebe Leserinnen und Leser
 
Staatsspione, gestohlene Daten, manipulierte Informationen, mit Kameras ausgestattete Drohnen, der Fallstrick der sozialen Netzwerke. Alle diese thematischen Schwerpunkte und viele andere standen auf der Tagesordnung der 5. Internationalen Tagung des IlCE (Institut de lutte contre la criminalité économique (Haute école de gestion Arc // HES-SO)), welche am  5. September 2016 in Neuenburg stattfand. Diese überaus multidisziplinäre Veranstaltung war ausschliesslich der Herausforderung der Kommunikation, den Personendaten und der Überwachung in einer zunehmend vernetzten Welt gewidmet. Wir laden Sie herzlich ein, einen Grossteil der juristischen Beiträge – welche anlässlich der Tagung vorgestellt und diskutiert wurden – zu entdecken, zusammen mit dem Beitrag von Daniela Nüesch, welcher diese Schwerpunkt-Ausgabe vervollständigt.
 
Die staatliche Überwachung war eines der Hauptthemen der Veranstaltung und stand damit ganz im Zeichen der Abstimmung vom 25. September 2016 über das Datenschutzgesetz (DSG), welches die Kapazität für Massnahmen der Regierung  in diesem Bereich ausweitet. Im Zusammenhang mit dieser Revision und der des BÜPF stellt Ludovic Tirelli die neue Palette von geheimen, präventiven und gerichtlichen Überwachungsmassnahmen vor und hinterfragt diese auf der Suche nach einem angemessenen Gleichgewicht zwischen Grundfreiheiten und Sicherheitsbestrebungen.
 
Immer noch im Rahmen der Überwachung behandelt Giovanni Battista Gallus ein hochaktuelles Thema, und zwar das der Drohnen: Er hinterfragt deren Auswirkung auf die Einhaltung des Datenschutzes und der Grundfreiheiten, insbesondere in Bezug auf die Massenüberwachung.
 
Nachdem er festgestellt hatte, dass immer mehr Unternehmen, welche mit der Zunahme von Cyber-Attacken konfrontiert sind, begonnen haben zurückzuschlagen, beschäftigt sich Luca Brunoni mit dem Phänomen der Regulierung des «hackback» (auch ein Thema im DSG) in der Schweiz und der USA und erforscht auch mehrere zukünftige Lösungen.
 
Géraldine Badel Poitras interessiert sich für die rasche Entwicklung der FinTech Technologien in der Schweiz und gibt einen Überblick über die Herausforderungen und Chancen, welche diese Entwicklung für die Juristen und Praktiker der Finanzmarktregulierung darstellt.
 
Monica Fahmy konzentriert sich auf die Notwendigkeit, die Internetnutzer zu sensibilisieren, damit diese eine bessere Eigenverantwortung im Zusammenhang mit dem Datenschutz entwickeln und sich hinsichtlich dessen der Grenzen des Gesetzes bewusst werden.
 
Die Einführung des SwissPass im Jahr 2015 hat im Zusammenhang mit dem Datenschutz zahlreiche Bedenken hervorgerufen. Daniela Nüesch untersucht diese Problematik mit all ihren Aspekten und insbesondere im Hinblick auf die Wichtigkeit einer Rechtsgrundlage und der Verhältnismässigkeit.
 
Das behandelte Thema ist sehr umfassend, in ständiger Entwicklung und geht weit über die Grenzen unseres Landes hinaus. Wir wünschen Ihnen viel Vergnügen beim Lesen der mehrsprachigen Beiträge.
 
Prof. Dr. Isabelle Augsburger-Bucheli
Doyenne de l’Institut de lutte contre la criminalité économique (ILCE) de la HEG Arc (HES-SO// Haute école de Suisse occidentale)

Luca Brunoni, MLaw, MArts
Adjoint scientifique à l’Institut de lutte contre la criminalité économique (ILCE) de la HEG Arc (HES-SO// Haute école de Suisse occidentale)

Wissenschaftliche Beiträge
Daniela Nüesch
Abstract

Der SwissPass wirft angesichts der neuartigen Datenbearbeitungen auf Grundlage der RFID-Technologie zahlreiche datenschutzrechtliche Fragen auf. Unter Berücksichtigung der zu erwartenden Entwicklungen geht der Beitrag der Frage nach, ob Datenbearbeitungen im Rahmen des SwissPass den Grundsätzen des Datenschutzes standzuhalten vermögen. Dabei wird namentlich die Vereinbarkeit mit dem Verhältnismässigkeitsprinzip untersucht und analysiert, inwieweit die geltenden Rechtsgrundlagen zur Datenbearbeitung ausreichen und wie eine allfällige künftige Rechtsgrundlage auszugestalten wäre.

Beiträge
Ludovic Tirelli
Ludovic Tirelli
Abstract

Der Beitrag stellt die wichtigsten Arten der geheimen Überwachung, welche dem Staat zur Verfügung stehen, vor. Er überprüft bestehende präventive und repressive Monitoring-Tools. Besonderes Augenmerk wird auf neue geheime Überwachungsinstrumente im Rahmen der kürzlich erfolgten Änderung des BÜPF (IMSI-Catcher und GovWare) gelegt, sowie auf neuartige Instrumente des Bundesgesetzes über den Nachrichtendienst (NDG) (Eindringen in Computersysteme und Computernetzwerke, geheime Durchsuchungen und Kabelaufklärung). Diskutiert wird die Auswirkung dieser neuen Instrumente auf die Grundrechte der überwachten Personen, insbesondere im Rahmen von traditionellen strafrechtlichen Ermittlungen nach StPO. (sts)

Giovanni Battista Gallus
Giovanni Battista Gallus
Abstract

In kurzer Zeit haben sich die Drohnen zu vielseitig einsetzbaren Systemen entwickelt, welche bisher undenkbare Operationen erlauben. Die drastische Reduzierung der Kosten, die höhere Auflösung von Kameras und Camcorder und die Miniaturisierung haben allerdings auch negative Konsequenzen gebracht: Es ist notwendig, die möglichen Auswirkungen dieser Technologien für die Durchsetzung der Grundsätze des Schutzes personenbezogener Daten und der Grundfreiheiten zu hinterfragen, insbesondere in Bezug auf die Massenüberwachung. (sts)

Monica Fahmy
Monica Fahmy
Abstract

Die Schweiz hat eines der schärfsten Datenschutzgesetze weltweit. Um private Daten im Internet zu schützen, taugt es allerdings wenig. Dies, weil nationale Datenschutzgesetze sich stark unterscheiden, die meisten Angriffe aus dem Ausland erfolgen, und hauptsächlich deshalb, weil zu viele User sorglos mit ihren persönlichen Daten umgehen. Deshalb plädiert die Autorin für mehr Eigenverantwortung im Internet.

Luca Brunoni
Luca Brunoni
Abstract

Das neue Bundesgesetz über den Nachrichtendienst (Nachrichtendienstgesetz, NDG), sieht vor, dass die Schweizer Regierung, als Gegenmassnahme zu Cyberattacken, welche auf ihre Infrastruktur ausgerichtet sind, das Recht hat zurückzuschlagen – «the right to hack back». Für private Unternehmen ist dieses «Vergeltungs-Hacking» illegal. In den USA, wo die Situation ähnlich ist, gibt es eine ständige Debatte darüber, ob das Gesetz geändert werden sollte, um es Unternehmen zu ermöglichen, einen aktiveren Verteidigungsansatz in Anbetracht der kontinuierlichen Zunahme von Cyberattacken zu realisieren. Ziel des Beitrags ist es, einen Überblick zur Debatte und den möglichen rechtlichen Antworten auf die Frage des privaten «hackbacks» zu geben. (sts)

Géraldine Badel Poitras
Géraldine Badel Poitras
Abstract

Die bedeutende Entwicklung der FinTech Unternehmen steht in der Schweiz erst am Anfang. Dieser Beitrag stellt die Chancen und Risiken vor, welche diese Unternehmen für uns Juristen und Praktiker der Finanzmarktregulierung darstellen. (sts)

Aus dem Bundesgericht
Jurius
Abstract

BGer – Das Bundesgericht bestätigt die Sicherheitshaft gegen einen Mann, der vom Bundesstrafgericht am 18. März 2016 wegen Beteiligung an einer kriminellen Organisation und Verstössen gegen das Ausländergesetz zu vier Jahren und acht Monaten Freiheitsstrafe verurteilt wurde. (Urteil 1B_407/2016)

Jurius
Abstract

BGer – Die Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG) erhält keine Parteistellung in den vor Bundesverwaltungsgericht hängigen Verfahren zur allfälligen Rückerstattung von Mehrwertsteuerbeträgen, die bis April 2015 auf den Radio- und Fernsehempfangsgebühren erhoben wurden. (Urteil 2C_373/2016, 2C_687/2016)

Jurius
Abstract

BGer – Ein sechzigjähriger Waadtländer, der sich während dem Morcheln essen einen Zahn abgebrochen hatte, muss die zahnärztliche Behandlung selbst bezahlen. Das Bundesgericht gab seiner Unfallversicherung Recht, welche die Unterstützung für die Kosten verweigert hatte. (Urteil 8C_53/2016) (sts)

Medienmitteilungen
Jurius
Abstract

Die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht FINMA und die Securities and Futures Commission of Hong Kong (SFC) haben heute eine Kooperationsvereinbarung unterzeichnet. Ziel der Vereinbarung ist, die Zusammenarbeit der beiden Behörden zu verstärken und den gegenseitigen Marktzugang der Fondsanbieter zu fördern.

Gesetzgebungsübersicht
Jurius
Abstract

Die Zusammenstellung beinhaltet alle schweizerischen Bundesgesetze, Bundesbeschlüsse, Bundesrats- und Departementsverordnungen sowie einzelne Artikel, die im Dezember 2016 in Kraft treten. Die einzelnen Erlasse und Änderungen können via Links direkt abgerufen werden.