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Liebe Leserinnen und Leser

Von Drohnen und anderen Baupolizisten – unter diesem Titel widmet sich David Henseler der Baukontrolle mittels Drohnen. Das Kantonsgericht Luzern ist in einem jüngeren Entscheid dem kantonalen Datenschutzbeauftragten gefolgt und hat für Luftaufnahmen von Häusern mittels Drohnen eine ausreichende gesetzliche Grundlage für die Einschränkung der informationellen Selbstbestimmung verneint.

Einen Zivilprozess führen und ihn von anderen finanzieren lassen? Der Bundesrat betrachtet die Möglichkeit der Prozesskostenfinanzierung als ein Mittel, den Zugang zur Zivilrechtspflege zu verbessern. Philipp Haberbeck zeigt auf, warum dieses Mittel dem Problem der hohen Prozesskostenhürde nur ungenügend begegnet.  
  
Lixia Zhang und Roger Rudolph geben einen Überblick über das chinesische Arbeitsrecht – von den rechtlichen Grundlagen, über den Arbeitsvertrag, die Entlöhnung und die Beendigung des Arbeitsverhältnisses bis zu arbeitsrechtlichen Streitigkeiten. Immer mehr Schweizer Unternehmen mit chinesischen Konzerngesellschaften und Partnern sehen sich mit solchen Fragen konfrontiert.
 
Unter dem Schlagwort «Corporate Social Responsibility» wird von den Unternehmen vermehrt soziale Verantwortung eingefordert. Michael Nagel identifiziert entsprechende Pflichten de lege lata und ferenda und geht der Frage der Haftbarkeit bei Verletzung solcher Pflichten mit Blick auf die Verantwortlichkeitsklage gegen die Unternehmensleitung gem. Art. 754 Abs. 1 OR nach.
 
Zeitungen verschwinden, grosse Medienhäuser beherrschen den kleiner werdenden Markt – angesichts des Zerfalls von unabhängiger, redaktioneller Information plädiert Urs Thalmann für eine aus der Meinungs- und Informationsfreiheit abgeleitete staatliche Pflicht zur Medienförderung, nämlich die Verfügbarkeit von redaktioneller Information in genügender Vielfalt wenn nötig durch aktive Massnahmen sicherzustellen.
Ein Folgebeitrag des Autors über «Die parallele Kompetenz zur Medienförderung von Bund und Kantonen» erscheint am 2. Juli 2018 in Jusletter. 

Am 1. Januar 1892 ist das SchKG, das älteste heute noch in Kraft stehende Bundesgesetz, in Kraft getreten. Roland Pfäffli rezensiert das Buch der Vereinigung für Schuldbetreibungs- und Konkursrecht, das zum 125. Jahrestag des Inkrafttretens des SchKG die Materialien, die seinerzeit zum Gesetz geführt haben, zusammenfasst.
 

Ich wünsche Ihnen eine spannende Lektüre und eine schöne Woche.

Anna Steger
Leiterin Jusletter

Urteilsbesprechungen
David Henseler
David Henseler
Abstract

Die Gemeinde Horw, Kanton Luzern, setzte – soweit ersichtlich als erste Schweizer Gemeinde überhaupt – Drohnen zum Zweck der Baukontrolle ein. Dieses Vorgehen wurde vom Luzerner Datenschutzbeauftragten kritisiert; er verlangte die Löschung der erstellten Luftaufnahmen. Da die Gemeinde Horw sich der Aufforderung des Datenschutzbeauftragten widersetzte, resultierte eine gerichtliche Auseinandersetzung. Am 18. April 2018 fällte nun das Kantonsgericht Luzern sein Urteil in der Streitsache. Der vorliegende Beitrag beleuchtet den Hintergrund des Urteils, fasst es zusammen und bespricht einige zentrale Aspekte desselben.

Beiträge
Philipp Haberbeck
Abstract

In seinem Anfang März 2018 veröffentlichten Vorentwurf zur Änderung der ZPO schlägt der Bundesrat u.a. vor, den Gerichten neu aufzutragen, die Prozessparteien auf die Möglichkeit der Prozessfinanzierung durch Dritte hinzuweisen. Dass die Prozessfinanzierung im Einzelfall den Zugang zur Zivilrechtspflege verbessern kann, dürfte unbestritten sein. Es bestehen jedoch erhebliche Zweifel, dass dies flächendeckend der Fall ist, also dann, wenn man nicht einzelne Fälle, sondern das Gesamtproblem der in der Schweiz zu hohen Prozesskostenhürde im Auge hat. Warum dies so ist, wird in diesem Beitrag dargelegt.

Lixia Zhang
Roger Rudolph
Abstract

Die Schweiz und die Volksrepublik China unterhalten enge wirtschaftliche Beziehungen. Nach der Europäischen Union und den USA rangiert China an dritter Stelle der schweizerischen Handelspartner. Zusätzliche gefördert wird diese Entwicklung durch das bilaterale Freihandelsabkommen, das seit dem 1. Juli 2014 in Kraft ist. Vor diesem Hintergrund überrascht es nicht, dass immer mehr Schweizer Unternehmen mit eigenen Konzerngesellschaften oder affiliierten Partnern in China tätig sind. Der vorliegende Beitrag liefert einen Überblick über den arbeitsrechtlichen Rahmen, der bei der Beschäftigung von Arbeitnehmenden in China zu beachten ist.

Michael Nagel
Abstract

In den letzten Jahren wird von den Unternehmen vermehrt soziale Verantwortung (Corporate Social Responsibility) gefordert. Dabei wird auch der Ruf nach einer stärkeren Verankerung dieser Forderung im Gesetz laut. Damit einhergehend stellt sich die Frage, inwiefern Unternehmen oder deren Führung bereits heute für eine Verletzung dieser unternehmerischen Verantwortlichkeit haftbar sein können. Durch die Untersuchung von Art. 754 OR in Bezug auf Corporate Social Responsibility mit einem Schwerpunkt auf die Pflichtverletzung wird in diesem Beitrag ein Teilaspekt dieser Thematik beleuchtet.

Urs Thalmann
Abstract

Die Vielfalt redaktioneller Information bricht rasant zusammen, und der Markt hält diesen Zerfall nicht auf. Der Autor zeigt, wie dies den Staat verpflichtet, die Verfügbarkeit von Information aktiv zu fördern. Die Informationsfreiheit beinhaltet den Anspruch auf genügend verfügbare Informationsquellen, um sich frei eine Meinung zu bilden. Das Grundrecht könnte künftig auch gerichtlich eingefordert werden. Das geplante Gesetz über elektronische Medien füllt die Lücke nicht. Es stehen dabei der Bund und die Kantone weitgehend parallel in der Pflicht, wie der Autor in einem Beitrag aufzeigt, der am 2. Juli 2018 erscheinen wird.

Rezension
Roland Pfäffli
Roland Pfäffli
Abstract

Das Bundesgesetz über Schuldbetreibung und Konkurs (SchKG) ist das älteste Bundesgesetz, das heute noch in Kraft ist. Die Vereinigung für Schuldbetreibungs- und Konkursrecht hat zum 125. Jahrestag des Inkrafttretens des SchKG die Materialien, die seinerzeit zum Gesetz geführt haben, in einem Buch zusammengefasst. Dieses Buch bildet die Grundlage für die vorliegende Buchbesprechung.

Aus dem Bundesgericht
Jurius
Abstract

BGer – Die Möglichkeit, für Ordnungsbussen im Strassenverkehr den im Fahrzeugausweis eingetragenen Halter zu belangen, falls sich der tatsächliche Lenker nicht ermitteln lässt, ist mit der Unschuldsvermutung vereinbar. Die entsprechende Regelung von Art. 6 des Ordnungsbussengesetzes (OBG) darf indessen mangels einer ausreichend bestimmten gesetzlichen Grundlage nicht auf Unternehmen als Fahrzeughalter angewendet werden. (Urteil 6B_252/2017)

Jurius
Abstract

BGer – Gegen einen Kanister mit brennender Flüssigkeit zu treten, stellt ein Wagnis dar. Das Bundesgericht hat die Beschwerde eines jungen Mannes abgewiesen, der sich bei diesem Unterfangen schwere Verbrennungen zugezogen hatte und sich gegen eine Kürzung der Leistungen durch die SUVA gewehrt hat. (Urteil 8C_734/2017) (as)

Jurius
Abstract

BGer – Der Verkauf von «Harry Popper»-Kondomen kommt den Betreiber der Magic X-Erotikläden teuer zu stehen. Die Sex-Shop-Kette schuldet dem Markeninhaber von «Harry Potter», Warner Bros Entertainment, über CHF 160'000. Dies hat das Bundesgericht entschieden. (Urteil 4A_12/2018)

Jurius
Abstract

BGer – Das Bundesgericht hat die Beschwerde von Matin Dimanche und RTS gutgeheissen, die Einsicht in einen Untersuchungsbericht zum Asylzentrum von Perreux (NE) verlangten. Die Neuenburger Justiz hatte die Herausgabe dieses Dokumentes verweigert. (Urteil 1C_472/2017) (as)

Aus dem Bundesstrafgericht
Jurius
Abstract

BStGer – Der ehemalige ukrainische Spitzenpolitiker Nicolai Martynenko ist am Bundesstrafgericht mit einer Beschwerde unterlegen. Der Ukrainer wollte erreichen, dass die Strafuntersuchung gegen einen Staatsanwalt des Bundes wegen Amtsgeheimnisverletzung weitergeführt wird. (Urteil BB.2017.204)

Medienmitteilungen
Jurius
Abstract

Ein Artikel von Swissinfo zur «No Billag»-Initiative war nicht sachgerecht. Die Unabhängige Beschwerdeinstanz für Radio und Fernsehen (UBI) hat eine gegen diese Publikation erhobene Beschwerde anlässlich der öffentlichen Beratungen vom 22. Juni 2018 gutgeheissen. Beschwerden gegen einen anderen Artikel von Swissinfo sowie gegen die Krimiserie «Der Bestatter» von Fernsehen SRF wurden dagegen abgewiesen.

Jurius
Abstract

Da die nötigen gesetzlichen Grundlagen noch fehlen, kann die Eidgenössische Kommunikationskommission (ComCom) die virtuelle Entbündelung nicht anordnen. Die ComCom musste deshalb ein entsprechendes Gesuch von Sunrise abweisen, obwohl der virtuelle Zugang zum Teilnehmeranschluss den Wettbewerb beleben könnte. Im Rahmen der laufenden FMG-Revision hat das Parlament jedoch die Möglichkeit, die Pflicht zur Gewährung des technologieneutralen und virtuellen Zugangs zum Anschlussnetz einer marktbeherrschenden Betreiberin einzuführen. Damit könnten der Wettbewerb und die Wahlmöglichkeiten für die Konsumentinnen und Konsumenten verbessert werden.