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«Abschiedsworte müssen so kurz sein wie Liebeserklärungen» («Cécile»).

Liebe Leserinnen und Leser
 
Nun ja, Fontane mag recht haben, aber nach so langer Zeit will die Kürze etwas länger werden... Es ist soweit: Nach 10 Jahren wechsle ich von der Weblaw AG hin zu einer neuen spannenden Herausforderung. Die Weblaw hat mir als junger Jurist die grossartige Chance auf eine herausfordernde Tätigkeit im publizistischen Bereich an der Schnittstelle von Recht und Informatik gegeben: zuerst als Redaktionsmitarbeiter, danach als Leiter Jusletter und schliesslich die letzten Jahre als Verlagsleiter, wobei ich gleichzeitig knapp 100 Einsätze als Dozent unserer juristischen Internetkurse leisten durfte.
Dabei habe ich Sie, viele geniale, spannende und sympathische Juristinnen und Juristen, als Autoren, Redaktoren, Kursteilnehmer oder Leser getroffen und viel von Ihnen gelernt. Danke für Ihr Vertrauen, Ihre vielen Beiträge und Arbeiten sowie Ihr Feedback. Nach 10 Jahren haben sich im Weblaw-Team und rund um Weblaw viele Freundschaften gebildet und entwickelt. Diese möchte ich nach Kräften weiter hegen und pflegen. Ein besonderer Dank geht an Sarah und Franz für die lehrreiche und spannende Zeit, eure Unterstützung insb. auch während meines MBA-Studiums und dafür, dass ich als junger Jurist diese grosse Chance erhalten habe und während 10 Jahren mit euch spannende Projekte aufbauen und entwickeln durfte. Besonders vermissen werde ich das Weblaw-Team. Ihr habt mich viel gelehrt und seid schlicht super! In Zukunft werde ich mich selber der Juristerei wieder vertiefter widmen. Als stellvertretender Leiter Recht & Controlling innerhalb des Überwachungsdienstes des EJPD bleibe ich aber der Verbindung von Recht und Informatik erhalten. Das Jusletter-Editorial wird ab 11. Oktober von Frau Simone Kaiser gezeichnet werden. Frau Kaiser ist Juristin, hat in Deutschland die Rechtsanwaltsausbildung abgeschlossen und war bei Wolters Kluwer in Deutschland tätig. Die Verlagsleitung übernimmt ad interim der Mitinhaber und Mitgründer der Weblaw AG, Franz Kummer.
 
Zum Inhalt der heutigen Jusletter-Ausgabe:
 
Art. 29 Abs. 1 BV wird von der Praxis pragmatisch gehandhabt, so dass die Bestimmung – anders als «klassische» Grundrechte – über keinen definierbaren Schutzbereich verfügt. Matthias Kradolfer versucht eine Gruppierung typischer Anwendungsfälle von Art. 29 Abs. 1 BV und diskutiert Ansatzpunkte für eine grundrechtliche Verfahrenstheorie.
 
Der Handel mit Energiederivaten birgt wie der Derivathandel in den Finanzmärkten gewisse Risiken. Weder die ElCom noch die FINMA scheinen derzeit über ausreichende Möglichkeiten zu verfügen, den Energiederivathandel effizient zu regulieren und zu überwachen. Prof. Dr. Rolf H. Weber und Lukas Lezzi stellen die Frage nach den Risiken für die Schweizer Versorgungssicherheit.
 
Der Stromversorgungs-Sektor wird momentan europaweit liberalisiert - eine grosse Herausforderung für alle Staaten. Die EU bzw. einige Ihrer Mitgliedstaaten haben bereits Lösungsvorschläge präsentiert. Xavier Rérat legt die Schweizer Situation dar und vergleicht sie mit den europäischen Lösungsvorschlägen.
 
Die Überprüfung der Integration im Einbürgerungsverfahren ist eine kontroverse Thematik. Luca Cirigliano stellt in einem rechtsoziologischen Beitrag mit empirischen, quantitativen und qualitativen Methoden die Praxis der kommunalen Behörden im Bereich der Integrationsüberprüfung paradigmatisch am Beispiel der Situation im Kanton Aargau dar.
 
Eine Replik zum Beitrag von Marc-Frédéric Schäfer in Jusletter vom 6. September 2010 haben Dr. Stephan C. Brunner und Dr. Alexandre Fluckiger verfasst. Unter Einbezug von Lehre und Rechtsprechung wird die Frage des Zugangs zu personenbezogenen amtlichen Dokumenten nochmals aufgerollt.
 
Herzliche Grüsse und vielleicht bis bald.
 
 
Nils Güggi-Dürrenberger
Verlagsleiter Weblaw AG
Wissenschaftliche Beiträge
Rolf H. Weber
Rolf H. Weber
Lukas Lezzi
Abstract

Der Handel mit Energiederivaten, welchen die Schweizer Elektrizitätsunternehmen tätigen, birgt wie der Derivathandel in den Finanzmärkten gewisse Risiken; insbesondere bei lediglich finanziell erfüllbaren Derivaten können Verluste langfristig auch einen Einfluss auf die Versorgungssicherheit der Schweiz haben; die Frage nach einer adäquaten Aufsicht über diese Handelstätigkeit ist deshalb von Bedeutung. Weder die ElCom noch die FINMA scheinen derzeit über ausreichende Möglichkeiten zu verfügen, den Energiederivathandel effizient zu regulieren und zu überwachen. Aus diesem Grunde dürfte es sich aufdrängen, neue Regulierungsansätze in Betracht zu ziehen, um die Risiken im Energiederivathandel angemessen in den Griff zu bekommen.

Matthias Kradolfer
Matthias Kradolfer
Abstract

Art. 29 Abs. 1 BV wird von der Praxis pragmatisch gehandhabt, so dass die Bestimmung – anders als «klassische» Grundrechte – über keinen definierbaren Schutzbereich verfügt. Der vorliegende Beitrag versucht eine Gruppierung typischer Anwendungsfälle von Art. 29 Abs. 1 BV. Darauf aufbauend werden Ansatzpunkte für eine grundrechtliche Verfahrenstheorie diskutiert. Die Besonderheiten von Art. 29 Abs. 1 BV können demnach dogmatisch adäquat erfasst werden, wenn Art. 29 Abs. 1 BV als Rechtsgrundlage für ein Verfahrensrechtsverhältnis zwischen Behörden und Grundrechtsträgern interpretiert und über Interessenabwägungen konkretisiert wird.

Beiträge
Stephan C. Brunner
Stephan C. Brunner
Alexandre Flückiger
Alexandre Flückiger
Abstract

Marc-Frédéric Schäfer befasste sich mit der Verfahrensregelung beim Zugang zu amtlichen Dokumenten, die Personendaten enthalten, nach dem Öffentlichkeitsgesetz des Bundes. Sein Beitrag blendete indessen zentrale Aspekte aus und gelangte dadurch zu einem rechtlich und praktisch nicht befriedigenden Ergebnis. Unter Einbezug von Lehre und Rechtsprechung wird hier die Frage des Zugangs zu personenbezogenen amtlichen Dokumenten nochmals aufgerollt und das korrekte Vorgehen bei der Beurteilung solcher Gesuche durch die Behörden aufgezeigt.

Luca Cirigliano
Luca Cirigliano
Abstract

Die Überprüfung der Integration im Einbürgerungsverfahren ist eine kontroverse Thematik. Seit den bahnbrechenden Bundesgerichtsurteilen von 2003 und konfrontiert mit stark steigenden Zahlen von Anträgen haben viele Einbürgerungsbehörden immer noch nicht den goldenen Mittelweg zwischen gesetzlichen Erfordernissen und der verfahrenstechnisch optimalen Ausgestaltung gefunden. Der vorliegende rechtsoziologische Beitrag stellt mit empirischen quantitativen und qualitativen Methoden die Einbürgerungspraxis der kommunalen Behörden im Bereich der Integrationsüberprüfung paradigmatisch am Beispiel der Situation im Kanton Aargau dar.

Xavier Rérat
Xavier Rérat
Abstract

Der Stromversorgungs-Sektor wird momentan sowohl in der Schweiz als auch in der ganzen EU liberalisiert. Damit müssen diverse Staaten diesen Sektor restrukturieren und nach Lösungen suchen. Gefragt sind insb. gute Antworten, wie damit umgegangen werden soll, dass es zwar einen Preis am Markt gibt, gleichzeitig aber die Tarife reglementiert werden. Der Autor legt die Schweizer Situation dar und stellt ihr die Lösungen einiger EU-Staaten und des Europäischen Energieregulators ERGEG gegenüber. (ng)

Aus dem Bundesgericht
Jurius
Abstract

BGer – Tempo-30-Zonen sind auch auf Haupt- und Durchgangsstrassen zulässig. Das Bundesgericht hat die im Ortszentrum von Münsingen geplante Verkehrsmassnahme in einem Grundsatzurteil abgesegnet und die Beschwerde des TCS abgewiesen. (BGE 1C_17/2010)

Jurius
Abstract

BGer – Das Nadelöhr beim Verkehrsknoten Seebahnstrasse/Hohlstrasse in der Stadt Zürich wird verschwinden. Das Bundesgericht hat grünes Licht für die Enteignung und den Abbruch eines Hauses gegeben, das dem geplanten Strassenausbau bisher im Weg gestanden ist. (Urteil 1C_373/2009 und 1C_467/2009)

Jurius
Abstract

BGer – Das Bundesgericht hat die Verurteilung wegen Rassendiskriminierung gegen den türkischen Nationalisten Ali Mercan und zwei seiner Mitstreiter bestätigt. Mercan hatte 2007 an einer Veranstaltung in Winterthur den Völkermord an den Armeniern als Lüge bezeichnet. (Urteil 6B_297/2010)

Jurius
Abstract

BGer – Die Waadtländer Justiz muss das Strafmass gegenüber einem weiblichen Drogenkurier mildern. Die Mutter von drei Kindern hatte versucht 14 Kilogramm Kokain in die Schweiz zu schmuggeln. Angesichts dessen, dass sie mit den Ermittlungsbehörden zusammengearbeitet habe, sei eine Strafe von 7 Jahren Zuchthaus zu streng. (Urteil 6B_265/2010) (ng)

Aus dem Bundesverwaltungsgericht
Jurius
Abstract

BVGer – Das Bundesverwaltungsgericht hat die Lieferung der Kontendaten eines UBS-Kunden an die USA vorerst gestoppt. Laut den Richtern in Bern wurde er nicht darüber informiert, dass in seinem Fall überhaupt ein Amtshilfeverfahren läuft. (Urteil A-4936/2010)

Jurius
Abstract

BVGer – Die Solothurner Gemeinden Härkingen, Gunzgen und Boningen sind mit ihrer Forderung nach vermehrten Lärmschutzmassnahmen beim Ausbau der Autobahn A1 vor Bundesverwaltungsgericht erfolglos geblieben. (Urteil A-623/2010)

Aus dem Bundesstrafgericht
Jurius
Abstract

BStGer – Das Bundesstrafgericht hat grünes Licht für Schweizer Rechtshilfe im einem der grössten Finanzskandale Spaniens gegeben. Betroffen sind die Kontendaten eines mutmasslichen Hauptbeteiligten bei dubiosen Anlagegeschäften mit Briefmarken in Milliardenhöhe. (Urteil RR.2010.127-129)

Jurius
Abstract

BStGer – Die Bundesanwaltschaft (BA) muss neu darüber entscheiden, ob ein Journalist Einsicht in die Verfügung zur Einstellung der Ermittlungen über das Flugzeugattentat von Würenlingen erhält. Das Bundesstrafgericht hat die Beschwerde des Reporters gutgeheissen. (Entscheid BB.2010.59)

Medienmitteilungen
Jurius
Abstract

Die Revision des Arbeitslosenversicherungsgesetzes (AVIG) wurde am 26. September 2010 an der Urne angenommen. Der Bundesrat hat an seiner Sitzung vom 1. Oktober 2010 beschlossen, das revidierte AVIG per 1. April 2011 in Kraft zu setzen und die Vernehmlassung zur Arbeitslosenversicherungsverordnung (AVIV) zu eröffnen.

Jurius
Abstract

Am 1. Oktober 2010 tritt die Verordnung über die Deklaration von Holz und Holzprodukten in Kraft. Das Eidgenössische Büro für Konsumentenfragen (BFK) hat dazu auf seiner Internetseite eine Datenbank zur Ermittlung u.a. der Holzart und der Holzherkunft aufgeschaltet.

Gesetzgebungsübersicht
Jurius
Abstract

Die vorliegende Zusammenstellung beinhaltet alle schweizerischen Bundesgesetze, Bundesbeschlüsse, Bundesrats- und Departementsverordnungen sowie einzelne Artikel, die im Oktober 2010 in Kraft treten. Die einzelnen Erlasse und Änderungen können via Links direkt abgerufen werden.

Aus der Herbstsession 2010
Jurius
Abstract

Die vereinigte Bundesversammlung hat am 29. September 2010 die sieben Mitglieder der neu geschaffenen Aufsichtsbehörde über die Bundesanwaltschaft gewählt. Diese sollen eine unabhängige Aufsicht gewährleisten.

Jurius
Abstract

Der letzte Schritt der Postmarktliberalisierung stösst im Nationalrat auf Widerstand. Anders als der Ständerat will die grosse Kammer das Restmonopol der Schweizer Post auf dem Versand von bis zu 50 Gramm schweren Briefen vorläufig nicht aufheben.

Jurius
Abstract

Von den Massnahmen Pascal Couchepins zur Eindämmung der Kosten im Gesundheitswesen bleibt nichts übrig. Fast zeitgleich zur Ankündigung des Prämienanstiegs von 6,5 Prozent durch Gesundheitsminister Didier Burkhalter lehnte der Nationalrat am 1. Oktober 2010 das «Massnahmenpaket Couchepin» ab.

Jurius
Abstract

Das Frauenrentenalter wird vorläufig nicht erhöht: Die 11. AHV-Revision ist gescheitert. Der Nationalrat hat die Vorlage in der Schlussabstimmung definitiv abgelehnt. Dagegen stimmten SP, Grüne und SVP. Bundesrat Didier Burkhalter will nun rasch ein neues Projekt vorlegen.

Jurius
Abstract

Nachfolgend wird eine nach Tagen geordnete Auflistung der wichtigsten Entscheide des Parlaments in der Woche vom 27. September bis 1. Oktober 2010 wiedergegeben.

Jurius
Abstract

Im Folgenden finden Sie eine Übersicht der in der Herbstsession 2010 verabschiedeten Schlussabstimmungstexte. Die Vorlagen der Redaktionskommission sind im Format PDF abrufbar.