Jusletter

Liebe Leserinnen und Leser

Wer entscheidet über das Sterben? Wie weit können Patientinnen und Patienten über ihr Lebensende selber bestimmen? Wie viel Fremdbestimmung von Seiten der Angehörigen und der Institutionen (Kliniken, Heime, Hospize) ist notwendig und zumutbar? Diese und andere Fragen standen im Zentrum der interdisziplinären Tagung «Selbst- und Fremdbestimmung am Lebensende – Wer entscheidet über das Sterben?», die am 24. September 2015 im Hotel Schweizerhof Luzern stattgefunden hat. Im Rahmen dieser Veranstaltung wurden auch die Ergebnisse der beiden im Rahmen des Nationalen Forschungsprogramms «Lebensende» (NFP 67) geförderten Forschungsprojekte von Regina Aebi-Müller (Selbstbestimmung am Lebensende, Universität Luzern) sowie Bernhard Rütsche und Regina Kiener (Regulierung von Entscheiden am Lebensende, Universitäten Luzern und Zürich) vorgestellt. Führende schweizerische und internationale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die als Referentinnen und Referenten für die Tagung gewonnen werden konnten, diskutierten mit den über 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmern über diese aktuellen Fragen. Dabei wurde das Tagungsthema aus drei Perspektiven in den Blick genommen: die der Patientinnen und Patienten, die der Angehörigen und die der Institutionen.
 
Wir freuen uns, Ihnen mit der heutigen Schwerpunkt-Ausgabe von Jusletter zum Gesundheitsrecht den elektronischen «Tagungsband» zu dieser Tagung zu präsentieren. Neben vier ausgewählten verschriftlichten Beiträgen erhalten Sie in dieser Ausgabe zusätzlich die Podcasts der Referate, die im Rahmen der Veranstaltung aufgezeichnet wurden.
 
Iris Graf stellt die Ergebnisse der sozial-empirischen Studie «Entscheidungen am Lebensende» vor, die im Rahmen der beiden NFP 67-Projekte von Regina Aebi-Müller sowie Bernhard Rütsche und Regina Kiener durchgeführt wurde. Untersuchungsgegenstand dieser Studie war die Frage, wie die tatsächlichen Entscheidungsprozesse am Lebensende in Spitälern, Pflegeheimen, Hospizen und Arztpraxen verlaufen und welche Probleme sich dabei konkret ergeben.
 
Der Beitrag von Monika Bobbert beleuchtet die Chancen und Schwierigkeiten von Patientenverfügungen aus psychologischer und ethischer Sicht.  
 
Tanja Krones schildert auf der Basis der Evidenz und aktueller Erfahrungen Chancen und Grenzen der stellvertretenden Entscheidungen durch Angehörige unter Einbezug des internationalen Kontexts sowie des neuen Erwachsenenschutzrechts in der Schweiz. Zudem geht sie kurz auf den neuen Ansatz des Advance Care Planning (gesundheitliche Vorausplanung) ein, der im Rahmen zu treffender medizinischer Entscheidungen einen wesentlichen Beitrag zur Verbesserung der aktuellen Situation liefern kann.
 
Bianka S. Dörr fasst in ihrem Beitrag die Tagungsergebnisse sowie die Kernaussagen sämtlicher Vorträge zusammen und zeigt dabei den weiteren Diskussions-, Handlungs- und Forschungsbedarf dieser Fragestellungen auf.
 
Als Podcasts sind folgende Tagungsreferate zu hören:
  • Andreas U. Gerber, Entscheidungen am Lebensende: Eine (ärztliche) Herausforderung
  • Iris Graf, Entscheidungen am Lebensende: Empirische Befunde
  • Regina Aebi-Müller, Selbstbestimmung am Lebensende: Die (privat)rechtliche Perspektive
  • Christian Kopetzki, Urteilsfähigkeit an der Schwelle von Selbst- zur Fremdbestimmung: Perspektiven des internationalen Rechts
  • Sonja Rothärmel, Konzeption von Selbstbestimmung in Patientenverfügungen
  • Jan Schildmann, Die Einbeziehung von Angehörigen in Entscheidungen am Lebensende: normative und praktische Herausforderungen am Beispiel der palliativen Sedierung
  • Tanja Krones, Familienangehörige als vertretungsberechtigte Personen: Einblicke in Theorie und Praxis nach Inkrafttreten des neuen Erwachsenenschutzrechts
  • Bernhard Rütsche, Empirische Studie institutioneller Teil
  • Friedemann Nauck, Entscheidungen am Lebensende in Spitälern
  • Settimio Monteverde, Ethische Entscheidungsfindung in Hospizen
  • Daniel Hürlimann, Regulierung von Entscheidungen am Lebensende
Wir wünschen Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, ein spannendes und anregendes Lesen und Hören.

Prof. Dr.  Regina Kiener
Universität Luzern
Redaktorin Jusletter
NFP67-Projekt  «Selbstbestimmung am Lebensende im Schweizer Recht»
Universität Luzern
NFP67-Projekt  «Selbstbestimmung am Lebensende im Schweizer Recht»
Universität Zürich
NFP67-Projekt «Regulierung von Entscheidungen am Lebensende in Kliniken
und Heimen»
Universität Luzern
NFP 67-Projekt «Regulierung von Entscheidungen am Lebensende in Kliniken und Heimen»

 

In eigener Sache: 

Bitte beachten Sie die neuste Ausgabe der Revue Suisse de droit de la santé / Schweizerischen Zeitschrift für Gesundheitsrecht (RSDS/SZG), die in gedruckter Form die wichtigsten Beiträge und Rechtsprechungskommentare in Jusletter aus dem Jahr 2015 enthält und demnächst erscheint.

 

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