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Liebe Leserinnen und Leser

Seit die Schweizerische Nationalbank (SNB) am 15. Januar 2015 den Euromindestkurs aufgehoben hat, geraten insbesondere exportorientierte Schweizer Unternehmungen zunehmend unter starken Druck. Produkte werden teurer und die Arbeitgeber reagieren darauf mit Lohnsenkungen und Arbeitszeiterhöhungen. Kurt Pärli macht darauf aufmerksam, dass für Arbeitnehmende – gerade jetzt – Verlässlichkeit bei Lohn und Arbeitszeit zur Sicherung der materiellen und sozialen Existenz unerlässlich ist. Arbeitszeit und Lohn sind zumindest während der Kündigungsfrist einzuhalten. Zudem plädiert er dafür, dass Vertragsänderungen verhältnismässig sein müssen und die Bestimmungen über die Massenentlassung auf Änderungskündigungskonstellationen Anwendung finden.  

Ein Bankkunde der Zürcher Kantonalbank (ZKB) reichte am 12. Dezember 2013 Strafanzeige wegen Nötigung gegen unbekannte Bankmitarbeiter ein, weil sich die Bank geweigert habe, sein Kontoguthaben bei der ZKB auf sein Konto bei einer russischen Bank zu überweisen. Florian Baumann und Cornelia Stengel setzen sich mit dem Nichtanhandnahmeentscheid des Zürcher Obergerichts vom 2. Februar 2015 auseinander und weisen auf dessen Relevanz auch nach Inkrafttreten der GAFI-Revision betreffend Geldwäscherei in Fiskalsachen hin.

Welche Sorgfaltspflichten treffen Banken in Bezug auf Angriffe durch Hacker und Betrüger im E-Banking? Géraldine Badel Poitras und Pierluca Degni geben einen Überblick zur aktuellen Rechtslage und Regelungen zum Haftungsausschluss. Sie gelangen zum Schluss, dass E-Banking-Kunden bezüglich dieser Technologie durch die Schaffung sicherer Rahmenbedingungen besser zu schützen seien (siehe dazu auch Schwerpunkt-Ausgabe: Cybercrime vom 10. November 2014).

Am 8. Mai 2015 ist Jusletter 15 Jahre alt geworden. Wir freuen uns sehr, mit Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, liebe Autorinnen und Autoren, liebe Redaktorinnen und Redaktoren dieses Jubiläum zu feiern und bedanken uns hiermit für Ihre Treue, Ihre Unterstützung, Ihr Engagement und Ihre Mitarbeit. Zu dem besonderen Anlass verschenken wir 15 x 2 Konzerttickets für exklusivste Konzerte des Zürcher Kammerorchesters. Schreiben Sie uns einfach eine E-Mail an info@weblaw.ch mit dem Betreff: Jusletter Jubiläum oder nehmen Sie an der Verlosung mittels Gewinnspielformular teil.

Wir wünschen Ihnen eine spannende Lektüre und einen guten Start in die neue Woche.
 

Simone Kaiser
Verlagsleiterin Editions Weblaw

Sandrine Lachat
Leiterin Jusletter Suisse Romande
Wissenschaftliche Beiträge
Kurt Pärli
Kurt Pärli
Abstract

Viele Unternehmen reagieren auf die Aufhebung des Euromindestkurses mit Erhöhung der Arbeitszeit oder Senkung des Lohnes. Die Vertragsfreiheit erlaubt, Arbeitsverträge durch Änderungskündigung anzupassen. Dem Arbeitnehmerschutz dient, wenn erhebliche Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen nur zulässig sind, wenn dies wirtschaftlich begründet ist. Missbräuchlich sind Änderungskündigungen auch, wenn die Kündigungsfristen nicht eingehalten werden oder wenn der angepasste Vertrag gegen zwingendes Recht, z.B. das Freizügigkeitsabkommen FZA, verstösst. Zu beachten sind auch die Vorschriften zur Massenentlassung.

Urteilsbesprechungen
Florian Baumann
Cornelia Stengel
Cornelia Stengel
Abstract

Das Zürcher Obergericht hat sich in einem Beschwerdeentscheid betreffend Nichtanhandnahme eines Strafverfahrens wegen Nötigung (Beschluss vom 2. Februar 2015 [UE140091-O/U/bru], Publikation in: ZR 114 (2/2015) Nr. 11) mit der Frage auseinander gesetzt, ob eine Bank angesichts des Verdachts auf Steuerdelikte im Ausland zu einer Kontosperre verpflichtet oder berechtigt war bzw. die Freigabe der Gelder vom Nachweis der rechtsgenügenden Steuerdeklaration im Ausland abhängig machen durfte. Die Autoren setzen sich mit dem Beschluss und seiner Bedeutung auseinander und weisen auf zukünftige Entwicklungen zum Thema hin.

Beiträge
Géraldine Badel Poitras
Géraldine Badel Poitras
Pierluca Degni
Abstract

Bei der Abwicklung von Online-Bankgeschäften ist der Kunde ein Opfer erster Wahl für organisierte und gezielte Angriffe von Hackern und Betrügern. Welche Sorgfalt wird in diesem Zusammenhang von Banken erwartet? Sie ist nicht eine Beauftragte wie die anderen, denn regulatorische Auflagen haben Konsequenzen bei der Erfüllung ihrer vertraglichen Verpflichtungen. Im Beitrag wird vor allem die Gültigkeit restriktiver Klauseln oder eines Haftungsausschlusses analysiert (die Rahmenbedingungen oder «Genehmigungsfiktion»), und ein kurzer Überblick über die aktuelle Rechtsprechung und die geltenden Kriterien präsentiert. (bk)

Aus dem Bundesgericht
Jurius
Abstract

BGer – Die systematische Durchführung von Leibesvisitationen bei Insassen des Genfer Gefängnisses Champ-Dollon nach Besucherkontakten ist menschenrechtskonform. Das Bundesgericht weist die Beschwerde eines Gefangenen ab, der innerhalb eines Jahres 38 Mal einer Leibesvisitation unterzogen wurde. (Urteil 6B_14/2014)

Jurius
Abstract

BGer – Die zwei im Widerspruch zur kantonalen Bauverordnung bewilligten Lukarnen und die goldglänzende Dachgeschosseinkleidung eines Wohnhauses in Olten müssen geändert werden. Das Bundesgericht weist die Beschwerde der Eigentümer und des Bauherrn ab und bestätigt den Entscheid des Verwaltungsgerichts des Kantons Solothurn. (Urteil 1C_740/2013)

Jurius
Abstract

BGer – Die Eidgenössische Steuerverwaltung (ESTV) hat zwei dänischen Banken zu Recht die Rückerstattung von Verrechnungssteuern verweigert, die auf Dividenden von kurzfristig gehaltenen Schweizer Aktien erhoben wurden. Weil die beiden Banken nicht effektiv nutzungsberechtigt waren, können sie nicht vom Doppelbesteuerungsabkommen zwischen dem Königreich Dänemark und der Schweiz profitieren. Das Bundesgericht heisst die Beschwerden der ESTV im Wesentlichen gut. (Urteile 2C_364/2012, 2C_377/2012 und 2C_895/2012)

Jurius
Abstract

BGer – Ein Urner Nachtlokal-Betreiber befindet sich auf Anordnung des Bundesgerichts wieder in Sicherheitshaft. Es hat die Beschwerde der Staatsanwaltschaft des Kantons Uri gutgeheissen und den Haftentlassungsentscheid des Urner Obergerichts aufgehoben. (Urteil 1B_65/2015)

Jurius
Abstract

BGer – Das Bundesgericht hat im Fall der Graureiher-Abschüsse an der Schüss festgehalten, dass die Abschussbewilligung an Privatpersonen in Form einer Verfügung zu erfolgen hat. Die Verwaltung erteile damit Privatpersonen das Recht, eine eigentlich verbotene Tätigkeit aus polizeilichen Gründen auszuüben. (Urteil 2C_1176/2013)

Jurius
Abstract

BGer – Auch nach einem Entscheid des Bundesgerichts ist der Streit um die Stäfner Gemeindereben juristisch noch nicht abgeschlossen. Weil nicht klar ist, ob zwei Sachverständige als Beamte tätig waren oder nicht, muss das Zürcher Obergericht nochmals überprüfen. (Urteil 1C_421/2014)

Jurius
Abstract

BGer – Bis vor Bundesgericht mussten Ehefrau und Kinder eines 2007 an Asbest-Krebs verstorbenen Mannes gehen, damit ihr Anspruch auf Opferhilfe erfüllt wurde. Den gleich langen Instanzenweg mussten sie beschreiten, um die korrekte Parteientschädigung für jenes Verfahren zu erhalten. (Urteil 1C_621/2014)

Aus dem Bundesverwaltungsgericht
Jurius
Abstract

BVGer – Seit bald fünf Jahren unterzieht das Bundesamt für Gesundheit (BAG) die Medikamentenpreise von Arzneimitteln der Spezialitätenliste einer eingeschränkten Überprüfung. Massgeblich ist nur noch, ob die Medikamente im Auslandpreisvergleich in der Schweiz zu teuer sind. Das Bundesverwaltungsgericht kommt in einem Grundsatzurteil zum Schluss, dass dieser Systemwechsel gegen Bundesrecht verstösst. (Urteil C-5912/2013)

Medienmitteilungen
Jurius
Abstract

Der Übernahmeausschuss der FINMA weist die Beschwerde von William H. Gates III und Melinda French Gates als Trustees des Bill & Melinda Gates Foundation Trust sowie der Cascade Investment, L.L.C. gegen die Verfügung 598/01 der UEK i.S. Sika AG ab.

Jurius
Abstract

Mit Teilrevision, die aufgrund der parlamentarischen Initiative 13.467 (Kostentragungspflicht für Ausgleichsenergie. Gewährleistung einer sicheren Stromversorgung) erarbeitet wurde, wird die Kostentragungspflicht der Bilanzgruppen für die Ausgleichsenergie gesetzlich verankert.

Rechtsprechungsübersicht
Jurius
Abstract

Die Rechtsprechungsübersicht führt die zur Publikation in der Amtlichen Sammlung vorgesehenen Urteile des Schweizerischen Bundesgerichts vom 17. März 2015 bis und mit 16. April 2015 sowie die Urteile des EGMR mit Beteiligung der Schweiz auf. Neben Dossiernummer, Urteilsdatum, Abteilung/Kammer, Prozessgegenstand und Vorinstanz wird ein Hyperlink zum Originalentscheid und – sofern vorhanden – zur jeweiligen Mitteilung bzw. Besprechung in Jusletter und im dRSK wiedergegeben.