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Sehr geehrte Leserinnen und Leser

Unter Geoblocking wird die Diskriminierung im Online-Kontext aufgrund des Aufenthaltsorts, des Sitzes oder der Nationalität verstanden. Um dies zu verhindern, hat die EU Ende 2018 die Geoblocking-Verordnung erlassen. Auch für die Schweiz ist Geoblocking ein Thema, insbesondere gibt es mit der Fair-Preis-Initiative einen ersten Ansatz für ähnliche Regulierungsbestrebungen. Peter Georg Picht fasst den wesentlichen Inhalt der Verordnung zusammen, analysiert ihre Interaktion mit dem Kartellrecht und geht der Frage nach, welche Bedeutung die Verordnung für die Schweiz hat.

Im Februar 2019 hat das Bundesgericht in einem Grundsatzurteil wichtige Klarstellungen zu den Aufenthaltsansprüchen von ausländischen Opfern von Menschenhandel während des Strafverfahrens vorgenommen. Der Entscheid hat weitreichende Auswirkungen für die Ausländer- und Asylbehörden und somit auch auf die Asylpraxis des SEM und des Bundesverwaltungsgerichts. Nula Frei kontextualisiert den Entscheid und diskutiert seine Auswirkungen.

Dürfen Sozialversicherungsbehörden strafrechtlich relevante Observationsergebnisse an die Strafverfolgungsbehörden weitergeben? Yvonne van der Stroom beschäftigt sich mit den Grundlagen und Schranken der Weitergabe aus kantonal- und bundesrechtlicher Perspektive.

Ich wünsche Ihnen eine spannende Lektüre und einen guten Start in die Woche.

Daphne Röösli
Produktmanagerin Jusletter

Wissenschaftliche Beiträge
Peter Georg Picht
Abstract

Mit der Geoblocking-Verordnung verbietet es die EU unter bestimmten Voraussetzungen, dass Händler ihren Kunden je nach deren Herkunftsregion unterschiedliche Transaktionskonditionen aufnötigen. Das soll Hürden für den grenzüberschreitenden Handel abbauen, führt aber auch zu Überschneidungen mit dem allgemeinen EU-Kartellrecht. Die Verordnung kann auch Schweizer Händler und Kunden betreffen. Der vorliegende Beitrag stellt die wichtigsten Inhalte der Geoblocking-Verordnung vor, analysiert ihre Interaktion mit dem Kartellrecht und geht der Frage nach, welche Bedeutung die Verordnung de lege lata sowie de lege ferenda für die Schweiz hat.

Urteilsbesprechungen
Nula Frei
Nula Frei
Abstract

Strafverfahren in Menschenhandelsfällen sind sehr komplex und hängen stark von den Aussagen der ausländischen Opferzeuginnen und -zeugen ab. Bislang konnten aber Opfer von Menschenhandel, die sich im Asyl- und insbesondere im Dublin-Verfahren befinden, keine Aufenthaltsbewilligung während des Strafverfahrens erhalten und mussten die Schweiz trotz laufender Ermittlungen verlassen. Das Bundesgericht hat diese Praxis nun als völkerrechtswidrig taxiert, mit weitreichenden Auswirkungen für die Ausländer- und Asylbehörden. Der vorliegende Beitrag kontextualisiert den Entscheid und diskutiert seine Auswirkungen.

Beiträge
Yvonne van der Stroom
Yvonne van der Stroom
Abstract

Das Observationsrecht der Sozialversicherer ist in einzelnen Teilen umfangreicher als jenes der Strafverfolgungsbehörden. Daraus ergibt sich die Frage, ob und innerhalb welcher Schranken strafrechtlich relevante Informationen, die im Rahmen von Observationen seitens der Sozialversicherer gewonnen wurden, an Strafbehörden weitergegeben werden dürfen.

Aus dem Bundesgericht
Jurius
Abstract

BGer – Im Rahmen eines Zivilprozesses geführte Vergleichsgespräche unterstehen nicht dem Grundsatz der Öffentlichkeit der Justiz, da sie nicht Teil der rechtsprechenden Tätigkeit des Gerichts bilden. Eine Journalistin wurde deshalb zu Recht von der Teilnahme an Vergleichsgesprächen vor dem Arbeitsgericht Zürich ausgeschlossen. (Urteil 4A_179/2019)

Jurius
Abstract

BGer – Einem im Kanton St. Gallen wohnhaften kosovarischen Imam wurde die Aufenthaltsbewilligung zu Recht nicht verlängert. Dies hat das Bundesgericht entschieden. Der Mann übte physische und sexuelle Gewalt gegen seine Frau aus, so dass diese ins Frauenhaus zog. (Urteil 2C_990/2018)

Jurius
Abstract

BGer – Ein Sicherheitsangestellter der BLS kann seinen Dienst nur noch ohne Schlagstock absolvieren, da ihm die Waffentragbewilligung wegen zwei Einträgen im Strafregister entzogen wurde. Das Bundesgericht stützt den entsprechenden Entscheid der Berner Kantonspolizei. (Urteil 2C_269/2019)

Jurius
Abstract

BGer – Eine Argentinische Dogge und ihr Halter aus dem Kanton Bern müssen kein nationales Hundehalterbrevet erlangen. Dies hat das Bundesgericht entschieden und einen Entscheid des Verwaltungsgerichts aufgehoben. (Urteil 2C_441/2019)

Aus dem Bundesverwaltungsgericht
Jurius
Abstract

BVGer – Die Containerlogistikfirma Swissterminal hat vor Bundesverwaltungsgericht einen Teilerfolg erzielt: Sie ist berechtigt, gegen das Gesuch um Investitionsbeiträge für den Bau der geplanten Umschlagsanlage Gateway Basel Nord Beschwerde einzulegen. Das Bundesamt für Verkehr (BAV) muss nun über die Bücher. (Urteil A-5315/2018)

Jurius
Abstract

BVGer – Ein Opfer fürsorgerischer Zwangsmassnahmen erhält keinen Solidaritätsbeitrag. Der Mann hat das Gesuch für die Entschädigung zu spät eingereicht. Das Bundesverwaltungsgericht sieht keinen Spielraum für die Wiederherstellung der Frist. (Urteil B-3566/2019)

Medienmitteilungen
Jurius
Abstract

Die Bundesanwaltschaft (BA) verurteilt das Unternehmen Gunvor zur Zahlung von insgesamt rund 94 Millionen Franken, davon 4 Millionen Franken als Busse. Der Genfer Rohstoffhändler hatte nicht alle erforderlichen und zumutbaren organisatorischen Vorkehrungen getroffen, um zu verhindern, dass seine Angestellten oder Vermittler Amtsträger bestachen, um Zugang zu den Erdölmärkten der Republik Kongo und der Elfenbeinküste zu erhalten.

Jurius
Abstract

Bei der Umsetzung der «Weiterentwicklung der Armee» hat sich in der Praxis gezeigt, dass gewisse Vorgaben in der Verordnung über die Militärdienstpflicht anzupassen sind. Der Bundesrat hat deshalb an seiner Sitzung vom 16. Oktober 2019 die nötigen Änderungen beschlossen und auf den 1. Dezember 2019 in Kraft gesetzt.

Vernehmlassungsübersicht
Jurius
Abstract

Die Zusammenstellung beinhaltet alle laufenden Vernehmlassungen der Bundeskanzlei, der Departemente EDA, EDI, EJPD, VBS, EFD, UVEK, WBF und der Parlamentarischen Kommissionen im Oktober 2019. Die einzelnen Vernehmlassungen sowie die dazugehörigen Unterlagen können via Links direkt abgerufen werden.