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Sehr geehrte Leserinnen und Leser

Am nächsten Abstimmungssonntag wird über die Volksinitiative zur Verantwortung von Unternehmen (Konzerninitiative) entschieden. Die Initiative wird in der Bevölkerung und in den Medien viel und kontrovers diskutiert. Damiano Canapa, Evelyne Schmid und Elena Cima klären drei Missverständnisse, die in der Debatte regelmässig wiederkehren.

Das Schweizer Kartellrecht weist deutliche Parallelen zu seinem europäischen Gegenstück auf und muss daher parallel ausgelegt werden. Obwohl dieser Grundsatz unbestritten ist, führt die schweizerische Kartellrechtspraxis nicht immer zu Ergebnissen, die mit der aktuellen EU-Praxis kompatibel sind. Wie Simon Hirsbrunner anmerkt, hat dies auch damit zu tun, wie der EuGH Praxisänderungen kommuniziert. 

Eine wesentliche Neuerung des revidierten Urheberrechtsgesetzes ist der Video-on-Demand-Vergütungsanspruch. Welche Werke und Urheber*innen gemäss Art. 13a URG anspruchsberechtigt sind, wird im Gesetzeswortlaut und in den Materialien offengelassen. Constanze Semmelmann beleuchtet vertieft die Rolle der Autor*innen, deren vorbestehende literarische Werke in einem audiovisuellen Werk verwendet werden.

Zur Emeritierung von Professor Nicolas Queloz ist eine Festschrift mit rund 50 Beiträgen erschienen: Droit pénal et criminologie. Roland Pfäffli gibt einen kurzen Überblick zu den einzelnen Abhandlungen.

Ich wünsche Ihnen eine spannende Lektüre und einen guten Start in die Woche. 

Daphne Röösli
Produktmanagerin Jusletter

In eigener Sache: 

  • Am 25. November 2020 um 10.00 Uhr findet das Webinar «Das neue Datenschutzgesetz: Ausgewählte Themen für die Praxis» statt. Bei Neuabschluss eines Jahresabonnements Jusletter oder Jusletter IT ist die Teilnahme kostenlos.
  • Am 26. November 2020 um 13:30 Uhr feiert die Zeitschrift ASA ihr 100jähriges Bestehen. In einem kostenlosen Webinar werden in zwei Panels Themen wie Digitalisierung oder Corporate Social Responsibility von Steuerrechtsexpert*innen diskutiert.
Beiträge
Damiano Canapa
Damiano Canapa
Evelyne Schmid
Evelyne Schmid
Elena Cima
Elena Cima
Abstract

Dieser Beitrag entkräftet drei Missverständnisse, die regelmässig in der Debatte zur «Konzernverantwortungsinitiative» auftauchen. Gegner befürchten, der Verfassungsartikel würde in die Souveränität ausländischer Staaten eingreifen. Zudem müssten sich Schweizer Unternehmen für eine Verbesserung der Gesamtsituation im Bereich Menschenrechte und Umweltschutz im Ausland einsetzen. Schliesslich gäbe es bei der Haftung der Unternehmen eine Beweislastumkehr, die für schweizerische Unternehmen nachteilig wäre.

Simon Hirsbrunner
Simon Hirsbrunner
Abstract

In diesem Beitrag wird kommentiert, wie das BGer und das BVGer dem Umstand Rechnung tragen, dass das Schweizer Kartellrecht deutliche Parallelen zum EU-Kartellrecht aufweist. Nach der in diesem Aufsatz vertretenen Auffassung täte eine Schweizer Behörde gut daran zu hinterfragen, ob es mit dem Grundsatz der parallelen Auslegung vereinbar ist, wenn bei bestimmten Vertikalabreden oder Praktiken von marktbeherrschenden Unternehmen per se eine nachteilige Auswirkung auf den Wettbewerb unterstellt wird.

Constanze Semmelmann
Abstract

Eine wesentliche Neuerung des am 1. April 2020 in Kraft getretenen neuen Urheberrechtsgesetzes ist der Video-on-Demand (VoD)-Vergütungsanspruch. Offen ist, ob auch Autoren vorbestehender literarischer Werke für das Zugänglichmachen von Literaturverfilmungen im Internet anspruchsberechtigt sind. Die Autorin vertritt die Auffassung, dass dies der Fall ist. Ihre Situation entspricht rechtlich und wirtschaftlich der Situation von Drehbuchautoren. Ihre Anspruchsberechtigung ergibt sich auch aus der Systematik des Art. 13a URG insb. mit Blick auf die abschliessend formulierten Bereichsausnahmen in Absatz 2 und im Umkehrschluss aus der Musikausnahme in Absatz 5.

Rezension
Roland Pfäffli
Roland Pfäffli
Abstract

Zur Emeritierung von Professor Dr. iur. et Dr. iur. h.c. Nicolas Queloz ist eine Festschrift mit rund 50 Beiträgen erschienen. Der vorliegende Beitrag gibt einen Überblick zu den einzelnen Abhandlungen.

Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte
Jurius
Abstract

EGMR – Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) hat die Schweiz wegen einer Konventionsverletzung verurteilt. Die Schweizer Behörden haben ungenügend abgeklärt, ob ein Gambier bei einer Wegweisung in sein Heimatland wegen seiner Homosexualität gefährdet wäre. (Urteile 889/19 und 43987/16 i. S. B et C c. Suisse)

Aus dem Bundesgericht
Jurius
Abstract

BGer – Auf der Basis des 2018 in Kraft getretenen Berechnungsmodells für den Anspruch auf eine IV-Rente wurde bei einer Luzernerin nach der Geburt ihres Sohnes eine bisher ganze Rente eingestellt. Dennoch stützt das Bundesgericht die neue Methode bei Teilzeittätigen mit Familienaufgaben und erachtet sie als konform mit übergeordnetem Recht. (Urteil 9C_82/2020)

Jurius
Abstract

BGer – Das Bundesgericht hat die Beschwerde eines früheren Angestellten der Atomkraftwerke Leibstadt und Mühleberg abgewiesen, bei dem ein Harnblasen- und Prostatakarzinom diagnostiziert wurden. Die Suva hatte Leistungen aufgrund einer Berufskrankheit abgelehnt, wogegen der Erkrankte gerichtlich vorging. (Urteil 8C_570/2020)

Jurius
Abstract

BGer – Das Bundesgericht hat eine Beschwerde der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG) im Zusammenhang mit dem «Kassensturz»-Beitrag «Politiker prellen Konsumenten: Kniefall vor Versicherungslobby» gutgeheissen. Entgegen der Sicht des Versicherungsverbands und der Unabhängigen Beschwerdeinstanz für Radio- und Fernsehen (UBI) war die Sendung sachgerecht. (Urteil 2C_483/2020)

Aus dem Bundesverwaltungsgericht
Jurius
Abstract

BVGer – Das Bundesverwaltungsgericht weist die beiden Beschwerden gegen den Umbau des Bahnhofs Lausanne ab. Der Ausbau der Gewerbeflächen ist rechtskonform und entspricht dem politischen Willen, die eidgenössischen Finanzen zu entlasten. Ausserdem sind die künftigen Lärmemissionen gesetzeskonform. (Urteil A-3462/2019)

Medienmitteilungen
Jurius
Abstract

Der Bundesrat hat in seiner Sitzung vom 18. November 2020 beschlossen, die Revision des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts und die dazugehörigen Verordnungsbestimmungen auf den 1. Januar 2021 in Kraft zu setzen. Schwerpunkt der Verordnungsanpassungen sind Bestimmungen zum elektronischen Datenaustausch bei der Durchführung von internationalen Sozialversicherungsabkommen.

Jurius
Abstract

Der Bundesrat hat an seiner Sitzung vom 18. November 2020 eine Revision des Bundespersonalrechts verabschiedet. Damit wird unter anderem das System der Entschädigung für die familienergänzende Kinderbetreuung vereinfacht. Zudem enthält die Revision rechtliche Präzisierungen, die sich aus Unsicherheiten aus der Praxis ergeben haben.

Jurius
Abstract

Die Beratende Kommission unterstützt das Bundesamt für Justiz (BJ) bei der Bearbeitung der Gesuche um Solidaritätsbeiträge. Sie wird in eine ständige ausserparlamentarische Kommission umgewandelt. Der Bundesrat hat die entsprechende Verordnungsänderung an seiner Sitzung vom 18. November 2020 verabschiedet. Diese tritt auf den 1. Januar 2021 in Kraft.

Jurius
Abstract

Der Bund beteiligt sich neu an den Sicherheitskosten der Kantone mit einem Bundesasylzentrum auch dann, wenn das Zentrum vorübergehend geschlossen wird. Der Bundesrat hat an seiner Sitzung vom 18. November 2020 die entsprechende Änderung der Asylverordnung 2 beschlossen.