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Liebe Leserinnen und Leser

In der Lehre ist die Rechtslage umstritten, wenn die zwischen dem Baurechtsberechtigten und dem Mieter vereinbarte Mietdauer über den Zeitpunkt des Ablaufs des Baurechts fortdauert (siehe dazu auch Claude Monnier, Schicksal des Mietverhältnisses an einer Baurechtsbaute bei Untergang des Baurechts, in: Jusletter 3. Juni 2013). Insbesondere bestehen geteilte Lehrmeinungen darüber, ob und inwieweit Art. 261 und Art. 261a OR (Wechsel des Eigentümers) analog zur Anwendung gelangen. Im Urteil des Bundesgerichts vom 10. März 2016 bot sich nun erstmals die Gelegenheit zur Beurteilung dieser umstrittenen Rechtslage. Claude Monnier diskutiert den Entscheid des Bundesgerichts anhand verschiedener Lehrmeinungen. Er rät insbesondere Mietern von Geschäftsräumen, die eine entsprechende Klausel zur Vormerkung des Mietvertrages im Grundbuch vereinbaren, sich beim Abschluss des Vertrages über die Situation im Grundbuch zu informieren.
 
Das Schweizer Stimmvolk hat am 9. Februar 2014 den Bundesbeschluss über die Finanzierung und den Ausbau der Eisenbahninfrastruktur (FABI) angenommen. Darin inbegriffen ist auch die Beschränkung des steuerlichen Fahrkostenabzugs auf jährlich CHF 3‘000. Da die Fahrkostenbegrenzung ab Steuerjahr 2016 wirksam wird, befassen sich Steuerbehörden, Steuerberater und betroffene Arbeitgeber seit rund einem Jahr intensiv mit Fragen der Umsetzung. Dabei droht die Fahrtkostenbegrenzung immer mehr zu einem Bürokratiemonster heranzuwachsen. Toni Amonn liefert Lösungsansätze für die Praxis.
 
Wann gilt ein Kontoinhaber in einem bestimmten Staat als «ansässig» im Sinne des automatischen Informationsaustausches (AIA), so dass die automatische Informationsweiterleitung hinsichtlich seiner Finanzkontendaten erfolgen darf? Adriano Marantelli erläutert die Grundzüge der Regelung und weist auf die grosse Komplexität des AIA-Regelwerks und die dadurch schwierige Umsetzung in der täglichen Praxis hin. (siehe auch Francesco Naef / Elena Neuroni Naef, Sur l’inconstitutionnalité de l’échange automatique de renseignements , in: Jusletter 7. Dezember 2015).
 
Allen sind die schrecklichen Bilder vom Unglück des Kernkraftwerkes «Fukushima Daiichi» an der japanischen Küste vom 11. März 2011 noch gegenwärtig. Hans Giger warnt vor einer allzu kritiklosen Übernahme der angebotenen Informationen durch die massenmediale Verbreitung und appelliert an die eigene Urteilsfindung. Dies auch im Hinblick darauf, dass die Frage über den Ausstieg aus der Atomenergie vom Volk entschieden werden muss.
 
Jusletter erscheint jeden Montag, ca. 45 Mal im Jahr. Am Montag, 16. Mai 2016 sind Pfingstferien. In dieser Woche erscheint kein Jusletter. Das Redaktionsteam dankt Ihnen bereits heute für Ihr Verständnis und freut sich, Sie am 23. Mai 2016 wieder begrüssen zu dürfen.
 
Wir wünschen Ihnen eine spannende Lektüre und einen guten Start in die neue Woche.
 
Leiterin Jusletter
Simone Kaiser
Verlagsleiterin Editions Weblaw
Urteilsbesprechungen
Claude Monnier
Claude Monnier
Abstract

In der Lehre ist die Rechtslage umstritten, wenn die zwischen dem Baurechtsberechtigten und dem Mieter vereinbarte Mietdauer über den Zeitpunkt des Ablaufs des Baurechts fortdauert. Dem Bundesgericht bot sich nun erstmals die Gelegenheit zur Beurteilung dieser umstrittenen Rechtslage. Nachfolgend soll nach einem kurzen Überblick über die verschiedenen Lehrmeinungen der Entscheid des Bundesgerichts diskutiert werden.

Beiträge
Toni Amonn
Abstract

Die Begrenzung des Fahrkostenabzugs gemäss FABI ist einfach zu handhaben, wenn Arbeitnehmer ihre Fahrkosten selber bezahlen oder wenn der Arbeitgeber solche Fahrkosten in Geldform vergütet. Als ausgesprochen dornenvoll entpuppt sich diese Fahrkostenbegrenzung aber bei Angestellten mit Geschäftsfahrzeugen. Der Beitrag zeigt die Probleme auf und liefert möglichst einfache Lösungsansätze für die praktische Handhabung, einerseits für die Arbeitgeber (Lohnausweis), andererseits für die Steuerpflichtigen. Die beste Lösung wäre freilich die Abschaffung dieser Fahrkostenbegrenzung.

Adriano Marantelli
Adriano Marantelli
Abstract

Der Beitrag befasst sich mit einem Teilaspekt des automatischen Informationsaustausches (AIA). Konkret geht es in einem ersten Teil um die Frage, wann ein Kontoinhaber/eine Kontoinhaberin in einem bestimmten Staat als «ansässig» im Sinne des AIA gilt und damit eine der Voraussetzungen für die automatische Informationsweiterleitung betreffend Finanzkontendaten erfüllt. In einem zweiten Teil der Abhandlung wird der Frage nachgegangen, wann (meldende) Finanzinstitute gemäss AIA-Regelwerk als «ansässig» gelten. Beide Themen werden im Lichte des OECD-Regelwerkes zum AIA sowie der geplanten schweizerischen AIA-Gesetzgebung beleuchtet.

Essay
Hans Giger
Hans Giger
Abstract

Bekanntlich verfügt die Schweiz nach Massgabe des World Energy Council dank Wasserkraft und Kernenergie aktuell über die umwelt- und klimafreundlichste Stromversorgung der Welt: Diese ist zudem unbestrittenermassen bezahlbar, sicher und zuverlässig; für die andernfalls bedrohte Wirtschaft unseres Landes somit von grösster Bedeutung. Warum bestehen immer noch Tendenzen, diese Werte abzuschaffen? Die Ursachen führen in die frühe Vergangenheit zurück. Fukushima. Jede gesetzgeberische Tätigkeit darf aber niemals auf dem Weg der Aushebelung der Volksrechte führen. Diese Analyse soll einen Beitrag zur Entschlüsselung dieser Problematik leisten.

Aus dem Bundesgericht
Jurius
Abstract

BGer – Der Architekt Vincent Mangeat hat sich vor Bundesgericht vergeblich gegen eine äusserliche Veränderung an einer Villa in Givrins (VD) gewehrt, die er selbst entworfen hatte. (Urteil 4A_675/2015)

Jurius
Abstract

BGer – Beim Freispruch eines Beschuldigten müssen die Strafbehörden grundsätzlich auch für den Schaden aufkommen, den die betroffene Person aus dem Verlust der Arbeitsstelle als Folge des geführten Strafverfahrens erlitten hat. Voraussetzung ist allerdings, dass die Entlassung tatsächlich von den Strafbehörden zu verantworten ist. (Urteil 6B_1061/2014)

Jurius
Abstract

BGer – Die Rothschild Bank zahlte einem ehemaligen Mitarbeiter nach dessen Abgang zu Recht keinen Bonus aus, wie das Bundesgericht entschieden hat. Der Betroffene verdiente in seinem letzten Arbeitsjahr nämlich so viel, dass die Bonuszahlung gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung nicht mehr als fixer Lohnbestandteil geschuldet war. (Urteil 4A_565/2015)

Jurius
Abstract

BGer – Das Bundesgericht heisst zwei Beschwerden von Helvetia Nostra betreffend Bauprojekte im Walliser Ferienort Ovronnaz gut. Mit Blick auf einen möglichen Rechtsmissbrauch im Zusammenhang mit der Zweitwohnungsbeschränkung muss vertieft abgeklärt werden, ob für die insgesamt 44 als Erstdomizil bewilligten Wohnungen in Ovronnaz mit seinen rund 700 festen Einwohnern eine entsprechende Nachfrage besteht. Eine dritte Beschwerde von Helvetia Nostra betreffend ein Einfamilienhaus im gleichen Gebiet weist das Bundesgericht ab. (Urteil 1C_158/2015, 1C_159/2015 und 1C_160/2015)

Rechtsprechungsübersicht
Jurius
Abstract

Die Rechtsprechungsübersicht führt die zur Publikation in der Amtlichen Sammlung vorgesehenen Urteile des Schweizerischen Bundesgerichts vom 17. März 2016 bis und mit 16. April 2016 sowie die Urteile des EGMR mit Beteiligung der Schweiz auf. Neben Dossiernummer, Urteilsdatum, Abteilung/Kammer, Prozessgegenstand und Vorinstanz wird ein Hyperlink zum Originalentscheid und – sofern vorhanden – zur jeweiligen Mitteilung bzw. Besprechung in Jusletter und im dRSK wiedergegeben.